Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. September 1954 (Tübingen)


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Tübingen, den 7. Sept. 54.
(cf. 8. September 44!)
Meine geliebte Freundin!
Ich habe mit stiller Freude daran teilgenommen, daß Du einen so schönen (übrigens auch recht langen) Ausflug machen konntest. Wie selten ist dazu jetzt das Wetter geeignet! In den 7 Tagen, die wir wieder hier sind, haben wir nicht weniger als 4 schwere Gewitter<Worteil unleserlich> gehabt. Das ist für mein corpus immer eine große Strapaze; so ganz besonders heute, wo Louvaris wahrscheinlich schon hier eingetroffen ist. Dieser Besuch kollidiert mit einem anderen aus Berlin, und wenn man zu schwach ist, fürchtet man sich bekanntlich auch vor Kleinigkeiten.
Unter diesem Zeichen der Unsicherheit steht nun auch das, was ich Dir jetzt als Programm entwickeln möchte. Am 16.9. muß ich zur DFG nach Würzburg fahren. Die Sitzung vom 17.9 wird sicher noch
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| am Samstag 18.9. bis mittags fortgesetzt. Aber um 16 etwa wollte ich nach Heidelberg fahren, obwohl das in keiner Weise an der Strecke liegt. Um 19.30 wäre ich da, und wenn es Dir aus Wetter oder Kraftgründen nicht zu spät ist, könnten wir noch im Bahnhof zusammen Abendbrot essen. Am Sonntag 19.9. möchte ich zunächst etwas mit Schmeil verabreden. Der Rest des Tages würde uns gehören. Am Montag früh würde ich zurückfahren.
Das sehr wechselnde Befinden, dem ich ausgesetzt bin, läßt dies nur als Hypothese zu. Aber wenn es Dir so passen sollte, würde ich es riskieren und in der Pension Rodrian für 2 Nächte bestellen.
Glückt alles, so könnten wir einmal wieder über alle einzelnen Dinge reden. Um heute noch viel zu schreiben, bin ich zu müde. Seit der Rück[über der Zeile] kehr habe ich mich ohne jede Schreibhilfe quälen müssen, den Berg Post abzutragen. Außerdem habe ich 3 Tage auf die Erledigung
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| einer Habilitationsarbeit (Flitner jr.) verwandt. Der Druck der Terminarbeiten hört niemals auf.
Die Stadt ist noch sehr leer. Aber an Durchreisenden fehlt es auch jetzt nicht. Und alle kommen natürlich auf einem Tage zusammen.
Ich grüße Dich sehr herzlich, und die anderen schließen sich an.
Dein getreuester
Eduard.

[] Stroux, der s. Z. mein Nachfolger als Rektor "wurde", ist gestorben.