Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. Oktober 1954 (Tübingen)


[1]
|
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

14.X.54.
Meine geliebte Freundin!
Aus einem Konglomerat von Ärgernissen, durchreisenden Besuchen und gehetzten Terminarbeiten schreibe ich Dir wenigstens einige Zeilen, damit Du im Zusammenhang bleibst.
Hier ist ein Kongreß von Staatsrechtlern, deren Präsident Jahrreiß ist. Sie war in Leipzig meine Hörerin, von ihm habe ich den Kölner juristischen Ehrendoktor erhalten. Gestern hatten wir mit beiden eine angenehme Kaffeestunde. Heute war die Ostzone reichlich vertreten. Morgen kommen nun die 4 Holzhausenleute mit dem sentimentalen Hund Bingi. Im ganzen Hause sind dafür aufregende Vorbereitungen getroffen worden. Leider habe ich den Kopf so voll, daß die Freude verkleinert wird. Mit mir Sklaven trifft man sich besser am dritten Orte. Sie bleiben mindestens bis Montag früh. Das Ganze
[2]
| war bis heute früh in Frage gestellt, weil sich die 86jährige Mutter v. Frau v. H. den Oberschenkel gebrochen hat. Und Christiane soll auch etwas klapprig sein.
Montag muß ich mich dann für die Reise nach Godesberg notdürftig präparieren. Ich bleibe dort 4 Nächte im Hôtel "Adler", hoffe aber am Samstag ziemlich spät schon in Heidelberg zu sein, wo ich wieder bei Rodrian wohnen werde. Sonntag vorm. bis zum Mittagessen incl. steht uns zur Verfügung. Sorge für angenehmes Wetter, damit wir nicht im Zimmer zu sitzen brauchen. Ist das Wetter vielversprechend, kannst Du vielleicht nach 9 zu mir, sonst ich gegen 9 ½ nach Rohrbach.
In der Hoffnung auf die mündliche Mitteilungsmöglichkeit am 24.X gehe ich auf den Inhalt Deines lieben Briefes jetzt nicht näher ein, sondern beschränke mich auf die von den "anderen" herzlich unterstützten Grüße. Im Botanischen Garten blühen jetzt noch Herbstzeitlosen!
Innigst
Dein
Eduard.