Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. Dezember 1954 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

8.XII.54.
Meine geliebte Freundin!
Ich nehme an, daß sich die Geschichte in den Feiertagen partiell wieder einrenken wird – bis zum nächsten Mal. Inzwischen muß ein Plan gefaßt werden.
Ich beabsichtige, am Sonntag 15.36 in Heidelberg einzutreffen. Komme aber bitte nicht an die Bahn, sondern – frühestens 16 Uhr – in die Pension Rodrian. Dort haben wir ja ein Zimmer, in dem wir ungestört sprechen können. Auch diesen Weg aber mache nicht bei ungeeignetem Wetter. In diesem Fall bin ich gegen 16½ in Rohrbach. Wir reden ja schließlich nicht mit Posaunentönen.
Wenn es sich als ratsam erweisen sollte, daß ich mit der Frau eine Unterredung habe, so kann dafür noch Montag zwischen 11 und 12 Uhr
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| ausgespart werden, notfalls auch zwischen 14 und 14½.
Es ist sehr wichtig, sich in solchen Fällen, obwohl sie das Haus sehr unbehaglich machen, sich nicht deprimieren zu lassen, sondern "oben zu bleiben". Man muß sich ja gegenwärtig halten, daß normale Maßstäbe hier versagen. Es ist ein Unglück, daß Du an "so eine" gekommen bist. Aber das sind Fügungen, die man hinnehmen muß wie Wetterlagen. Mir liegt vor allem daran, daß Du nicht aus Sparsamkeit unterläßt, was die Situation erleichtern könnte. Fahre Taxi, nimm Hilfskräfte, zu welchem Preis Du sie auch findest! Dadurch wird auch der Eindruck erweckt, daß Du nicht jeder Art von Behandlung rettungslos ausgeliefert bist.
Mit innigen Grüßen (auch vom Hause)
Dein getreuester
Eduard