Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18./19. Dezember 1954 (Tübingen)


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Tübingen, den 18. Dezember 54.
abends.
Meine geliebte Freundin!
Ich schreibe keinen Eilbrief, damit Du nicht am Montag früh um 7 Uhr herausgeklingelt wirst. Vor allem anderen bitte ich Dich überhaupt, keine zu große Aufregung aufkommen zu lassen. Die schlimme Situation wird sich hoffentlich bald meistern lassen.
Im Telegramm habe ich Dich schon gebeten, die Möglichkeiten im Landfriedstift zu klären. Da ich das Haus kenne und da es auch von Schmeils gerühmt wird, handelt es sich eigentlich nur um die 2 Fragen: 1) ob sie Dich überhaupt aufnehmen würden, und 2) ob dies sehr bald geschehen kann. Die Eintragung in eine Anwärterliste mit unbestimmten Termin würde nicht gnügen.
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Im St. Anna-Spital, das auch Evangelische aufnimmt, kann vielleicht jemand für Dich fragen. Das rein katholische Marienhaus wird Deinen Fall sicher ablehnen.
Angenehm wäre es mir, wenn Du vor der Entscheidung noch das Fräulein oder Frau Koop [über der Zeile] ? sprechen könntest. Für solche Wege nimmt man hin und zurück ein Taxi; es geht jetzt um die Wurst. Dafür ist vielleicht bei Empfang dieser Zeilen am Montag Vormittag noch Zeit. (Denn ich hoffe im stillen, daß Du Sonntag schon im Landfriedstift vorsprechen wirst. Schmeil schreibt, daß seine Frau die Vorsteherin verständigen würde.)
Zeigt sich an keiner Stelle eine Aussicht für Januar, dann bin ich dafür, das Angebot an der "Anlage" anzunehmen. Auch deshalb,
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| weil Du sonst bei dem Herrn Rentsch, der darüber zu verfügen scheint, niemals Aussicht auf Berücksichtigung mehr haben wirst. Denn er hat wiederholt seinen guten Willen eindeutig bewiesen.
Über die Lage diese Heims mache ich mir gar keine Illusionen. Es kann nur sonnlos sein. Das aber ist leider deshalb nicht so schlimm, weil ja weniger Sonne als in der St.-Peterstr. nicht sein kann. Und der Eisenbahnverkehr wird im Mai 1955 wohl aufhören. Vielleicht kannst Du bei der Annahmeerklärung am Dienstag – Mittwoch wird möglicherweise auch noch zugelassen, auf Ersuchen natürlich! – die Bitte aussprechen, daß Du später das Zimmer mit einem in dem ursprünglich gemeinten Heim vertauschen kannst. Der zweite Umzug ist einfacher.x) [re. Rand] x) 19.12.  früh 9 Uhr.  Eben kommt Dein lieber Brief. [über der Zeile] <17.> Er veranlaßt mich nur zu dem Zusatz: Nimm das an der Anlage notfalls auch, aber nur als ein ausdrückliches Provisorium, wenn jetzt nichts anderes zu finden.
Den ersten aber werden wir dadurch einfacher machen, daß Du selbst völlig ausgeschaltet wirst, wie Röschen Wingeleit 1928. Es wird ein Packer
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| vom Spediteur bestellt, der alles besorgt. Es ist ja keine Vierzimmerwohnung. Auch für eine Aufsichtsperson würde ich sorgen.
Sollte es erwünscht sein, der unerträglichen Lage schon bald zu entgehen, so erwäge, ob Du für einige Zeit wieder als Privatgast nach dem Kümmelbacher gehen willst. Im Winter wird man ja wohl ankommen. Es gäbe auch noch andere Orte.
Das Geld ist da: Im Januar erscheinen 3 Bücher von mir in neuer Auflage. Ich selbst hätte für die Honorare keine Verwendung. Für solche Fälle habe ich eben vorgesorgt.
Hätten wir beide doch die einfältige Nervenruhe des einfältigen Hermann, der mir sehr behaglich geantwortet hat! Eifre ihm wenigstens nach!
Heute kamen Telegramm und Brief von der Deutschen Botschaft in Rom, ich hätte für "ein Buch" den Preis einer italienischen Zeitschrift bekommen. Die "Anlage" hatte die Mieze nicht beigefügt, so daß ich keine Ahnung habe, um was es sich handelt.
<li. Rand> In allen Dringlichkeitsfällen stehen Schmeils zur Verfügung. Du bist das Opfer einer Psychopathin geworden, ohne eigene Schuld. Wolfg. Herchenbach ist in ähnlicher Lage und muß sogar für <re. Rand> die Sicherheit seines Kindes fürchten. (¾ Jahre.)
Susanne und Ida grüßen herzlich. "Immer zu Diensten" Dein
Eduard