Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Dezember 1954 (Tübingen)


[1]
|
<die S. 2 + 3 sind nicht korrigiert, da kein Scan gefunden>
Tübingen, den 23.XII.54
früh.
Meine geliebte Freundin!
Dein Brief aus der "Rose" war mir ein Weihnachtsgeschenk. Nur die zwei Punkte "Kündigungsmöglichkeit" und "Überbrückungsmöglichkeit" habe ich nicht verstanden. Aber Du wirst Dich selbst an den Zusammenhang nicht mehr erinnern.
Wenn in dem Vertrag NitscheW. steht, an Deinem Mietsverhältnis dürfe nichts geändert werden, dann gilt das, besonders bei Deiner Lage. Wer Dir kündigen sollte, müßte Dir dann gleichwertige Wohnung nachweisen. Umgekehrt: wenn Du ohne Kündigung ausziehst, so wirst Du die Miete wahrscheinlich noch für ein Vierteljahr zahlen müssen. Das
[2]
| werden wir auch noch aufbringen – dies aber nur in den Grenzen zu denen wir rechtlich verpflichtet sind.
Überbrückungsmöglichkeit, das soll wohl heißen: Unterkunft, bis etwas an der Anlage frei wird, also, wenn ich recht verstehe, bis zum 1.II? Das wäre ganz annehmbar. Ich hatte ja auch schon vom Kümmelbacher Hof geschrieben.
Wenn das Zimmer nach dem Bunsendenkmal hinaussieht, so hast Du im Hochsommer etwas Morgensonne. Ich bin dafür, daß Du Dich für dies Angebot entscheidest. Denn im Augenblick ist nichts anderes da, leider nicht im Landfriedstift (!), und wenn Du jetzt ablehnst, kümmert sich die ganze Fürsorge niemals wieder um Dich. – Sonnige Bänke sind wohl nahe der "Anlage" zu
[3]
| finden.
Im Abstoßen von alten Sachen, die man doch nie wieder braucht, mußt Du großzügig sein. Das erhöht die Behaglichkeit. Die überflüssigen Möbel kommen auf den Althandel in Heidelberg. Nur was einigen Wert hat und nicht mitkommen kann, kannst Du vererben. Aber derjenige, der es bekommt, muß ganz selbst für den Transport sorgen (Bedingung meinerseits!)
Wenn Du Geld brauchst, mußt Du mir so früh schreiben, daß ich es auf Bank und Post erledigen kann. Ich kann auch? der Fürsorge eine gewünschte Totalsumme sofort hinlegen. Wenn ich sie Dir nicht aushändige, dann nur deshalb, damit das Sozialamt nicht sagen kann: die Dame hat mehr Geld als zulässig ist. Diese 10 M hier sind für Taxifahrten bestimmt. Du hast mehr anstrengende Wege als sonst. Wenn Du nachweisen kannst, daß Du sie
[4]
| für diesen Zweck ausgegeben hast, kommt mehr
Für einen eigentlichen Weihnachtsbrief ist das alles kein richtiger Stoff. Aber es ist ja auch kein richtiger Mungo, d. h. Weihnachten. Ich habe Sorge, daß Du bei dem rauhen Wetter dieser Tage zu viel unterwegs bist. Begnüge Dich doch in solchen Fällen mit dem näher gelegenen kleinen Lokal oder mache zu Hause etwas Einfaches. Das Abonnement in der "Rose" würde ich aufgeben. Es verpflichtet nur. Sage, daß Du lieber die normalen Preise zahlen willst. Die ganze Sache ist aus Altenübergeiz entstanden.
Wir haben für die ganzen Festtage niemanden eingeladen, nur hinterher an 2 Nachmittagen. Die gewaltige Last der Post verbietet, gerade diese Zeit des Jahres in Stille zu genießen.
Aber am Heiligen Abend werden unsre Gedanken sich treffen. Ich hoffe, daß die eigne Aktivität und das Vorwärtskommen in der Sache Dich vor unnützen Grübeleien bewahrt.
Außer dem Freßpäckchen, das Susanne <li. Rand> fertig gemacht hat, bekommst Du [über der Zeile] leider nichts. Weitere Bücher vermehren nur den Ballast. Ida grüßt herzlich. Ich <re. Rand> bitte Dich um möglichst viel Vernunft.
Nichts Forcieren – wollen!
Innigst Dein Eduard.

[re. Rand S. 1] Dein Brief aus der "Rose" ist gestern 22.XII mit der Nachmittagspost angekommen. Sonst immer Vormittag.