Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. Dezember 1954 (Tübingen)


[1]
|
Tübingen, 28.XII 54 früh
Meine geliebte Freundin!
Wir alle hier sind sehr dankbar und erfreut, daß Du doch noch Kraft und Zeit für ein Weihnachtspäckchen gefunden hast, in dem für jeden etwas Persönliches war. Susanne meint allerdings, zu den gemütsharten Balten gehöre sie nicht. Aber doch zum Ordensland. Ich erhoffe von dem Kalender, daß er uns wieder unbeschwerte gemeinsame Tage registrieren kann. Auch dies hat mich herzlich gefreut, daß Du bei Franzens einen Weihnachtstag mit "Hausmusik" angenehm verleben konntest. Das Wetter an dem Tage war allerdings von der Art, die zum Ausgehen verboten ist.
[2]
|
Nun muß ich leider gleich wieder mit dem Geschäftlichen fortfahren, indem ich Dir eine Liste aufstelle, was sofort zu tun ist:
1) Herrn Rentsch für die "Anlage" zum 1.II. definitiv zusagen.
2) Nach am 31.12 das Zimmer zum 31.I kündigen. Am besten durch eingeschriebenen Brief an Herrn Wüst, eintreffend am 31.I. Außerdem mündlich bei Trudel Nitsche, vorsichtshalber, falls sie etwan noch als Mietvertragspartnerin gelten sollte. Wenn sie anwesend ist, kannst Du das mündlich machen. Nimm aber ein fertig geschriebenes Blatt mit, worauf sie bescheinigt, ihrerseits die Kündigung angenommen zu haben.
Sollte, wider Erwarten, die Kündigung erst zum 31. März angenommen werden,
[3]
| werde ich die Miete an den Fälligkeitstagen (praenumerando?) von hier aus schicken, zugleich aber gerichtlichen Einspruch ankündigen.
Mehr ist in diesem Jahr nicht von Dir gefordert. Der Besuch bei der Dame Koop (?) hat keinen Zweck, wenn Du mit Herrn Rentsch jetzt sofort zu einer festen Vereinigung kommst, am besten durch schriftliche Mitteilung von ihm an Dich.
Sollte trotzdem am 1.II irgend etwas nicht klappen, werde ich schon für eine Lösung sorgen.
Nach dem 1. Januar ist zu tun:
1) Verfügung über die Haushaltsgegenstände, die nicht mitgenommen werden In diese Angelegenheit werde ich mich nicht einmischen. Auch dafür mußt Du allein sorgen, daß nicht wieder eine Überanstrengung stattfindet.
2) ein Spediteur zu bestellen. Neuere Erfahrungen werden nur Héraucourts haben.
[4]
| Es kommt nicht darauf an, irgend einen kleinen Pintscher zu finden, sondern eine gute Firma, die am Tage vorher einen zuverlässigen Packer schickt. [li. Rand] ← Anzahlung leisten Es bleibt dabei, daß Du Dich selbst nicht am Packen beteiligst. Bei meinem Zorn!
Meine herzlichen Neujahrswünsche für Dich gehen nun zuerst in der Richtung, daß das alles glatt gehen möge und daß jede Anstrengung vermieden wird. Das ist der Sinn meines diktatorischen Befehls. Du solltest für 2 Nächte in die Pension Rodrian gehen, wenn es so weit ist. Nerven behalten! An sich ist das ein ganz kleines Unternehmen. Nur für einen alten Menschen, der natürlich ein bißchen bockig ist, ist es schwer. Was es kostet, ist absolut egal.
Wir haben am Heiligen Abend die 3 Tieroks bei uns gehabt. An den Feiertagen haben wir niemanden gesehen. Ich habe ca 50 Briefe geschrieben und bin davon ganz kaputt. Die ca 150 Drucksachen kommen noch.
Du weißt, wie ich immer mit Sorgen an Dich denke. Schreiben werde ich in diesem Jahr nur noch, wenn Du weitere Fragen hast. Wir alle hier nehmen herzlich teil. Susanne und Ida wünschen auch alles Gute für Neujahr. Innigst Dein
Eduard.

[]
|<beigelegter Zeitungsausschnitt, re. Rand teilweise abgerissen, ERgänzungen in spitzen Klammern>
Dem Tübinger Philosophen und Pä<dagogen> Prof. Dr. Eduard Spranger ist der <abgerissen> Ulisse-Preis, der einzig italienische <wissen>schaftliche Buchpreis, für sein Werk "P<ädago>gische Perspektiven" zugesprochen worde<n.> Die Preisverteilung erfolgt am 9. Januar in <Cor>tina d'Ampezzo. Der Preis von einer M<illion> Lire (etwas 6700 DM) wird von der italien<ischen> internationeln Kulturzeitschrift "Ulisse <abgerissen> jährlich jeweils für ein besonderes W<issen>schaftsgebiet ausgeschrieben.