Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. Januar 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 1. Januar 1954.
Mein geliebter Freund!
Nur um die ersten Zeilen im neuen Jahr an Dich zu richten, schreibe ich, und danken will ich Dir ganz besonders für die liebe Überraschung, die Du mir heute früh mit Deinem doppelten Brief machtest. Daß von mir nichts bei Dir war ist ganz unnatürlich und nur zu erklären, weil ich meinen Wünschen die Verpflichtung zu einigen offiziellen Briefen vorgehen ließ. Und damit ging es sehr langsam. Noch ist außerdem eine lange Liste da, die ich nach und nach erledigen will. Denn ganz so nachlässig in der Korrespondenz, wie Du mir schonend vorschlägst, kann ich doch nicht sein, denn es sind eigentlich keine leeren Beziehungen dabei.
So kam heute z. B. ein Briefchen von Haebler,
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| der recht krank war, zweimal an Nierensteinen operiert ist. Er sei jedes Jahr mal im Erholungsheim auf dem Kniebis, und fragt, ob es wahr sei, daß Du bei Freudenstadt ein Wochenendhäuschen hättest!! Er würde Dich gern einmal besuchen "Dich ein Stündchen zu hören und Deine Hand gefaßt zu haben". Aber er könne sich gut denken, daß Du gern Deine Ruhe hättest. – (in jenem Wochenendhäuschen! wie entstehen nur solche Märchen!) Da oben auf der Tüllinger Höhe sind im Kapellchen [über der Zeile] Kirchlein alte Fresken freigelegt, die Prof. Heuß besichtigte. – Auch sonst kamen Briefe: von Anna Weise, Frau Biermann und allerlei Karten. — Als es zwölf Uhr schlug, war ich still allein zu Haus, mit andächtigen Gedanken bei Dir. Auf der Straße war ein Lärm, daß man kaum die Glocken hören konnte. Meine "Hausleute" sind in Bergen bei seinen Eltern, etwa bis zum 3. Deine Grüße bestelle ich dann und ebenso bei Hérancourts, die ebenfalls verreist sind. Und Briefe schreiben an Susanne und Dich werde ich ganz bald. Heut langt es nur zu diesem Zwischengruß.
<Kopf> Ich hätte so viel, was ich schreiben möchte, ob es gelingt? <li. Rand> Und freuen tue ich mich auf den 8.! Am 6. kommt Hedwig Mathy zu mir.
<li. Rand S. 1> Habe noch ein wenig Geduld mit dem Kalender, er kommt bestimmt! Grüße Susanne vielmals, und Du habe innigen Dank und treue Grüße von Deiner Käthe.