Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. Februar 1954 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 27.II.54.
Mein geliebter Freund!
Wie froh war ich, heute morgen auf dem Abschnitt der Postanweisung zu lesen, daß bei Susanne das Fieber im Rückgang ist. Es will einem garnicht in den Sinn, daß sie auch einmal krank sein könnte, und sie hat sicher garkeine Anlage, sich in solchem Fall zu schonen. Wie gut, daß sie Deinem Rat folgt!
Habe Dank für die Postsendung und ebenso vielen Dank für das Geburtstagspäckchen und seinen reichen Inhalt an eßbaren und lesbaren Gaben. Alles kam pünktlich am 25., fast gleichzeitig mit der Deinem lieben Brief. Da war nur leider die Freude ein wenig getrübt, durch die Nachricht von Susannes Mißbefinden. Ich hoffe jetzt aber,
[2]
| daß sie diese Attacke inzwischen gut überwunden hat. – All die angenehmen Gaben im Päckchen werden mir die Sorge für manches Abendbrot abnehmen, und die Keksschachtel findet allgemeine Bewunderung. – Der Laotse ist mir ein lieber Bekannter, und ich holte gleich mein Exemplar vor, das "Vom Sinn und Leben" heißt und eine Übersetzung vom Jahr 1919, bei Diederichs ist. Diese von Richard Wilhelm ist nun interessant zu vergleichen mit der beim Insel-Verlag, von Rousselle.
Auch sonst bin ich sehr beschenkt und erfreut worden, vor allem mit Blumen, Eß- und Trinkbarem! Die Besucher verteilten sich am Vor- und Nachmittag; zum Kaffee kamen nur Hedwig Mathy und Frau Franz. Frau Wüst, die ich gern dabei haben wollte, konnte
[3]
| sich nicht entschließen. Aber für das Essen mittags für Hedwig und mich sorgte sie glänzend. – Sehr viele und überraschende Briefe erfreuten mich, teilweise besonders. z. B. Dr. Rudolf Nitsche aus Amerika, der offenbar etwas Heimweh hat. (Dagegen hat seine Schwester sich überhaupt nicht sehen lassen). Von meiner Schwester ein mit Tinte, aber noch fremder Handschrift geschriebenes Zettelchen. Einen sehr ausführlichen Brief von der Ältesten, der Lilli mit den vier Kindern auf Rügen. – Ein richtiger Schreibebrief von dem Dieter, der Arzt in Wernberg ist, und für sein Zimmer gern was von Möbeln haben will. Das ist mir sehr willkommen. Sobald die Temperatur wärmer wird, will ich ausräumen. Und sonst noch von Mädi, Schmidtals, Bertha v. A. usw. usw. – lauter Leute, denen ich schuldig war.
[4]
| Auch Frl. Held schrieb mit ihrer dünnen flüchtigen Schrift, über sieben große Seiten hingehaucht, aber freundschaftlich warm.
Na, dann noch manche hübsche Karte, die meine Schreibfaulheit beschämte. – Auch der Fall, den Du so wenig liebst, war vertreten: ein Besuch, der nicht wieder rausfinden konnte: Am Freitag, gestern, kam meine verflossene Frau Petri, die ja sehr nett und tüchtig in der Arbeit war, aber mich in meinem Programm erheblich störte. Ich wollte gern gleich an Dich schreiben.
Jetzt nun will ich wenigstens diesen Rapport noch in den Kasten stecken, damit er am Montag zu Euch kommt und Euch meinen Dank bringt. Sehr herzliche Wünsche für Euer Wohlergehen, sowohl für Susanne, für Ida, die beiden Patienten, und für Dich nach der Münchener Strapaze. Nur gut, daß sie auch einige nette Momente hatte.
<li.Rand>
Noch einmal vielen innigen Dank. Deine Käthe.

[li. Rand S. 3] Am Sonntag werden Hérancourts bei mir zum Kaffeetrinken.