Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. März 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 30. März 54.
Mein einziger Freund!
Zwei lebhafte Tage haben mich gehindert, auf Deinen lieben Brief sofort zu antworten! Aber es waren auch erfreuliche Sachen, am Sonntag ein behaglicher Nachmittag bei Frl. Seidel im "Altenheim", und am Montag war Hedwig Mathy bei mir, die mir bei einer nötigen Näherei sehr tatkräftig half. Das Mittagessen für uns beide von Frau Wüst war wieder prima. – Aber für uns beide wärst Du sicher nicht dafür, und so werden wir wohl den Bahnhof vorziehen?
Möge doch alles nach Wunsch gehen, wie Du es bestimmt hast. So sehr ich mich freue, macht es mir doch Bedenken, daß Du Dir mit der Anstrengung dieser langen Fahrt für solch kurzen Aufenthalt zu viel zumutest.
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| Ich möchte doch auf keinen Fall, daß es Deinem Befinden schadet und möchte, daß Heidelberg ein Ruhepunkt sein könnte.
– Daß ich von dem Vortrag von Louvaris nichts erfuhr, tut mir recht leid; woher hat Rudolf Paulsen wohl das Plakat gehabt? Ich habe nichts davon gesehen. –
Es ist jetzt ein allgemeines Sterben der Generation der ersten Frauenbewegung, nun auch Gertrud Bäumer! Sie ist eine von denen, deren Wirkung nicht so bald erlöscht. — Aber ich bin jetzt ungeduldig und möchte nicht mehr schreiben, da ich ja bald zu reden hoffen kann. Mit frohem Herzen erwarte ich Dich und hoffe, daß auch die Sonne freundlich sein wird.
Hermanns Frau mit der kleinen Hilde wird am Samstag, d. 3.IV. auch auf einige Stunden
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| herkommen. Sie ist auf der Rückreise von einer Erholungszeit, die sie sehr nötig brauchte, wird am 1. u. 2. in Mannheim bei Gaßners sein und am 3. von hier nach Haus fahren. Ich hatte gehofft, das würde schon anfangs der Woche vor sich gehen. Aber heut meldet sie das Nähere auf einer Karte. Nur gut, daß sie nicht auf den 4. verfiel.
Wegen des Rundfunkvortrags bedauere ich Dich lebhaft. Das ist natürlich die moderne Technik, die da seelenlos stört.
Möge doch am Sonntag dieser Druck der hastigen Zeit uns fern bleiben und mal wieder ein Hauch des Zeitlosen mit uns sein!
Mit herzlichem Gruß für Susanne und Ida und innigen Wünschen für Dein Wohlergehen
Deine
Käthe.

[Fuß] Am Heidelberger Bahnhof auf Wiedersehen!