Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. April 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24.IV.54.
Mein geliebter Freund!
Morgen ist schon Sonntag, und ich wollte doch bereits zum Donnerstag einen Gruß nach Überlingen schicken! Na – wenigstens scheinen ja die dringenden Wünsche nach gut Wetter für Euch rechtzeitig eingetroffen und erfüllt zu sein! Hier ist es ganz frühlingshaft. Aber um die Baumblüte sind wir gekommen, denn der Reiz der ersten Frische ist vorbei, sie hat von Kälte und Regen recht gelitten. Vielleicht erfüllt sich jetzt am Bodensee der Wunsch von Susanne, daß dort nun die erste Entfaltung ist.
Hier stehen wir dauernd im Zeichen der ersten Kommunion, was sich in unendlichen Kuchenvorbereitungen äußert. Zum Teil werde ich auch an der häuslichen Feier teilnehmen müssen, meine leisen Versuche, es abzubiegen, fanden kein Gehör. Die gute Frau Wüst meinte, es würde sie kränken. – Auch die Unterbringung der noch unbekannten Großnichte brachte gewisse
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| Unruhe, und auch die Sache mit dem Bücherschrank ist in ein neues Stadium getreten. Vorläufig ist der Schreiner ausgeblieben!
Mein eigentliches Leben aber steht im Zeichen von Ostern. Ich habe mich sehr über Deinen lieben, reichhaltigen, wie immer pünktlichen Ostergruß gefreut. Die Ehrung der "Tante Emilie" ist ja höchst amüsant. Ich erinnere mich noch, daß Ihr nach Eurer Ankunft in Tübingen bei ihr auch zu Mittag wart. Sehr beschäftigt hat mich aber der Sonderdruck aus den Schweizer Monatsheften. Wie wohltuend ist diese beherrschte Sprache und Klarheit, bei diesem tief erregenden Thema. In mir wurde alles lebendig, was mir aus früherer Zeit aus Deinen Arbeiten erinnerlich ist als entscheidende Momente zuerst das Standortproblem in der Doktorarbeit 1905, das Du später mal als nicht mehr ganz zutreffend bezeichnetest; dann der Vortrag, ich glaube in Mainz, in dem Du von der Begabung der Kulturen sprachst – und so noch manche Einzelheit. Das ist alles jetzt zu einer Einheit gesammelt – – und ist eben doch kein bloßes Spiel. –  –
<li. Rand> Aber ich will diesen Zettel noch zur Post bringen, damit er am Montag <li. Rand S. 1> zu Dir kommt, und sagt, wie froh ich bin über die günstige Witterung für Eure Reise. Da werdet Ihr doch auch manchmal in der Sonne sitzen können! Mit den innigsten Grüßen Deine Käthe.