Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19. Juli 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19.VII.54.
Mein geliebter Freund!
Es ist schon spät, und so wird dies kein Brief mehr werden, nur herzlich danken möchte ich Dir für die beiden Drucksachen, die am 16. eintrafen und mich sehr erfreuten. Ich habe mich gleich mehrfach damit beschäftigt, vor allem abends in der Stille. Der Artikel über Japan ist so wundervoll anschaulich und eingehend, aus persönlichen Eindrücken und Verständnis belebt, gibt er mir ein reiches Bild des Landes, das mir nur durch Bätz von der Meiji-Epoche bekannt, und durch den Bericht des Engelbert Kämpfer unheimlich war. – Aber das Bild von Dir darauf ist schrecklich, ein ganz unglückliche Belichtung.
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Und von dem anderen Büchlein hat mich besonders der Schluß bewegt, der auf den Vegetationspunkt zukünftigen Lebens verweist, den "Gottes ewiger Ratschluß" in jede Seele gelegt hat, und an dessen Kraft man im Anblick der Gegenwart jetzt manchmal verzweifeln möchte. Ich habe gerade in diesen Tagen gedacht, man könnte meinen, der liebe Gott sei der Menschen leidig!
Von mir möchte ich Dir nur sagen, daß ich mit Hermann in gutem Einverständnis bemüht bin, die Last der ungenutzten Dinge um mich zu lichten. Er bleibt bis zum 24. – Heute hatten wir auch eine hübsche sonnige Viertelstunde auf der alten Brücke, und am Ufer des Neckars. Möchte auch bei Euch Licht und Wärme wieder zunehmen!
Also nochmals vielen Dank und innige Grüße und Wünsche, auch Susanne und Ida ein herzliches Gedenken.
Deine Käthe.