Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. August 1954 (Heidelberg, Postkarte)


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Heidelberg. 25.VIII.54. M. l. Fr. Herzlichen Dank für Deine l. Karte vom 23., die mich sehr erfreute, denn sie sagte mir, daß Du trotz des Katastrophenwetters ganz unternehmend bist, und Dich mit Korrekturen tröstest!! Es haben sich ja auch einige Lichtseiten herausgestellt, vor allem die Stille und die Luft, die den Nerven wohltun. So brauche ich nicht mehr den Barometerstand mit Besorgnis zu verfolgen und den Himmel zu beschwören, seine Wasserfülle schon hier abzuladen! Sparsam ist er damit auch hier nicht; so hat es gestern, gerade als ich am Bismarckplatz umsteigen mußte, einen Guß mit Sturm geliefert, daß das Wasser wie Staub über den Asphalt fegte. Aber der Aufenthalt an der Bergstraße war dann umso erfreulicher. Hier zu Haus ist der Familienbesuch fort, und das gewohnte Leben setzt wieder ein. Ich lebe ziemlich zeitlos dahin, denn mein
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| guter Regulator ist beim Uhrmacher, weil er unversehens stehenblieb und kein Zureden half. Auch die Post – außer Deiner Karte – blieb völlig aus. Ich bin eher auch gänzlich schweigsam. Trotzdem vergehen die Tage rasch mit Nichtstun, nur die Gedanken wandern, auch in die Vergangenheit.
Mit sehr herzlichen Grüßen, auch an Susanne,
Deine
K.