Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. August 1954 (Heidelberg)


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<Diesem Brief ist eine Karte mit Herbstzeitlosen beigefügt.>
Heidelberg. 31. August 54.
Mein einziger, geliebter Freund!
Diese Karte liegt schon lange bereit, um Dir an unserem Gedenktage treue Grüße zu bringen, aber sie wußte nicht, wohin sie reisen sollte. Nun wird sie Dich hoffentlich in Tübingen wieder leidlich gesund antreffen!
Vorhin kam Deine liebe Karte vom 29. mit der unerfreulichen Nachricht von diesem unerwarteten Ausklang der Erholungszeit. Viel hatte man von diesem kalten Sommer ohnehin nicht erwartet. Möchte wenigstens dies Mißbefinden den Übergang zu einer wirklichen Gesundung einleiten! Ich wünsche Euch eine bequeme gute Heimreise.
– Wie hatte ich mich in Eurem Interesse
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| über das zunehmend bessere Wetter gefreut! und nun habt Ihr keinen weiteren Nutzen davon. – Glaube jetzt aber nicht, daß ich auf einen Brief warte, nur für eine Karte wäre ich dankbar, die mir von Deinem Befinden berichtet. Was kann nur der Anlaß zu dieser Magenverstimmung gewesen sein? Du bist doch immer so vorsichtig!
Meine Tage gehen ziemlich ereignislos hin. Von Hermann und Familie hatte ich Nachricht über ihre Rückreise erwartet, aber es kam nichts. Hoffentlich ist dann mit den Kindern alles in Ordnung. Hier drängt auch der Schreiner um den Termin, den Schrank endlich abzuschicken!
Frl. Seidel fragte per Karte, ob wir morgen, am 1.9. per Bus von der Dantestraße
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| auf den Königsstuhl fahren wollen? Um 16 h und mit der Bergbahn zurück. Das ist mir recht, denn der Himmel sieht zuverlässig aus. Im übrigen bin ich nicht unternehmend und recht untätig; natürlich mit schlechtem Gewissen.
Auch zum schreiben habe ich garkeine Geduld, und darum, Du Lieber, male Dir selbst aus, wie ich unablässig mit meinen Gedanken bei Dir bin – wie der strahlende Sonnenschein heute mich erinnert an die heiße Sommerwanderung 1903 und ihre zeitlosen Folgen.
Heute abend soll im Rundfunk Dein Vortrag (– "mit sich selbst") wiederholt werden, da gehe ich zu Buttmis, um die Täuschung Deiner Stimme zu hören. –  –  –
Und nun grüße Susanne herzlich mit viel guten Wünschen für Euch beide.
In immer gleicher Liebe
Deine
Käthe.