Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 10. September 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 10. Sept. 1954.
Mein geliebter Freund!
Ich habe heut am Nachmittag Deinen lieben Brief bekommen, der am 8.9. – 21 Uhr abgestempelt ist. Das war eine ganz, ganz große Freude. Habe Dank für diesen schönen Plan, der mich sehr glücklich macht. Nun will ich nur hoffen, daß Du dies Unternehmen ohne Schädigung der Gesundheit ausführen kannst!
Du glaubst ja nicht, welch einen belebenden Einfluß Dein Schreiben auf mich ausübte. Ich hatte dieser Tage mehrfach erklärt, das Wetter mache mich direkt melancholisch, und man antwortete mir jedesmal, es ginge dem Betreffenden ebenso.
Es ist sehr gut, daß Du mir rechtzeitig schriebst, denn es "schweben" allerlei Besuche am Himmel, denen ich jezt gleich für diese Tage, vom 17.–19.9., abwinken kann. Denn
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| bei mir gibt es solche Möglichkeiten, die Du leider nicht anwenden kannst.
Wie sehr habe ich gerade in den letzten Tagen solche Sehnsucht nach einem ruhigen, eingehenden Austausch gehabt. Deine Worte sind wie eine unmittelbare Antwort auf meine Gedanken. —  — Ich habe heut in der Stadt zu tun gehabt und ging dann von der Theaterstraße am Neckarufer bis zu Héraucourts, wo ich die Mutter gebessert und die Tochter recht kümmerlich traf. Letztere trug mir ganz extra Grüße an Dich auf. Sie denkt immer noch so dankbar an Deine Besuche im Reutlinger Krankenhaus.
Meine Gedanken werden jetzt wieder einen neuen Schwung haben im Blick auf das erhoffte Wiedersehen. Sorge nur recht, daß auch bei Dir die Kräfte dafür vorhalten. Sollte Rodrian keinen Platz haben, beauftrage mich etwas andres zu suchen. Schmeil hat da mein Vertrauen nicht!!
<li. Rand> Grüße "die andern" herzlich von mir, und habe selbst innigen Dank
<Kopf>
und viele Grüße von
Deiner
Käthe .