Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. Dezember 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 6. Dez. 1954
Mein geliebter Freund!
Immer wieder habe ich Deinen mir so tröstlichen Brief gelesen und finde es ganz genau wie Du, daß Du auf meinen Vorschlag, einzugreifen, nichts tun kannst, ehe wir uns gesprochen haben. Wie gut, daß Du also doch noch einmal hier ohnehin zu tun hast und wie einzig schön für mich! Aber wo kann diese Aussprache stattfinden, denn hier haben die Wände Ohren, falls die Familie nicht am Sonntag spazierengeht, oder bei Verwandten ist? Ach, wie unbegreiflich ist mirs überhaupt, daß ich in eine solche Situation geraten konnte. – All meine Freunde würden uns ein ungestörtes Zimmer zur Verfügung stellen, aber überall hat es seine Bedenken.
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| Nur bei Héraucourts halte ich die Lage der Räume für geeignet, ohne zu stören.
Eine Vermehrung an Arbeit hatte Fr. W. durch den Doppelbesuch kaum, aber das alles zu erklären, wäre zu umständlich. Ich möchte Dir nur versichern, daß ich bisher recht gut durchgekommen bin, auch daß das Heizen mir wieder glänzend gelingt. Kohlen holen konnte Frau Dörsam und Frau Buttmi weiß auch einen Bub, falls das versagt.
Deine Beurteilung der Sache im übrigen ist absolut richtig. – Nun ist aber vor allem die Frage für die Zukunft, und dafür ist es auch gut, daß wir uns sprechen können. Es könnte nämlich auch noch als Altenheim St. Anna in Frage kommen, wo die Tochter meiner Wäscherin in Ziegelhausen als Pflegerin arbeitet. Und dort darf man auch krank werden.
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Nochmals in ein anderes Zimmer umzuziehen, halte ich nicht für ratsam. Da finge alles absolut von neuem an.
Für den Augenblick ist alles leidlich eingespielt ohne jede Beteiligung von der anderen Seite. Man muß wohl das Recht auf dieses Zimmer festhalten, das mir amtlich zusteht.
Es ist mir sehr schmerzlich, daß ich Dir mit dieser wirklichen Schwierigkeit Beschwerden machen mußte, aber ich denke, es wird leidlich zu regulieren sein.
Die Last mit dem bewußten Doppelbesuch war aber eigentlich nur in meiner vorgefaßten Meinung entstanden, weil ich gern jeden extra gehabt hätte und es mir schwer fiel die Sache zu regulieren. Im Haus war eigentlich wenig Beschwerde davon.
Jetzt bin ich viel bei der verschiedenen Freundschaft unterwegs, gehe nur zum absolut Not
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|wendigen durch die Küche; wie Wasser holen und Asche auf den Balkon bringen. Mit Vorliebe natürlich, wenn ich vermute, daß niemand darin ist.
Am Sonnabend war ich bei Hedwig Mathy zum Geburtstag, wo nur einige gleichaltrige Bekannte recht unterhaltend waren. Und heut schleppte mich Frau Buttmi mit in die Seminarschule, wo der Zeichenlehrer mit Kasperle-Puppen, die die Kinder hergestellt hatten, sehr nette Aufführung machte. Die andren Arbeiten, wie eine Glasfenster-Imitation, und Aquarelle waren bei dem schlechten Licht nicht mehr zu sehen. Es hätte mich interessiert und – abgelenkt.
Statt dessen will ich Deinen lieben, lieben Brief wieder lesen und mir ausmalen, wie Du am Sonntag gegen 16¼ zu mir kommst, denn in meinem Zimmer bin ich unbehindert. Oder darf ich Dich an der Bahn abholen? Es wäre vielleicht angenehmer. Aber ein Kaffee in meinem Zimmer müßte doch auf alle Fälle stattfinden. – Grüße <li. Rand> Susanne und Ida vielmals, und sorge Dich nicht um mich, es wird sich <li. Rand S. 3> alles, alles wenden. In Dankbarkeit und Liebe Deine Käthe.