Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. Dezember 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 9. Dez. 1954.
Mein geliebter Freund!
Innigen Dank für Dein liebes Schreiben, das mir die Möglichkeit eines ungestörten Sprechens in dem Zimmer bei Rodrians tröstlich in Aussicht stellt. Denn hier hat sich keine Besserung der Situation gezeigt, und es ist unbedingt nötig, daß Du die Vorgänge objektiv kennst. Wie man sich weiter dazu stellt, wirst Du ja dann am besten beurteilen.
Heut haben wir trostloses Regenwetter, aber im Zimmer ist es gut warm. Kohlen holt mir Frau Dörsam, und wenn sie versagte, weiß auch Frau Buttmi vielleicht einen Bub. Vorzuziehen ist aber eine bekannte Person, die im Hause Bescheid weiß. In der Rose ist man freundlich, ich bin dort regelmäßig 4x in
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| der Woche für Abonnementspreis. Sonst koche ich mir gern was von Mehlspeise im Zimmer! – Natürlich waren meine Nerven von der Sache mitgenommen, aber man ist ja jetzt für Choc-behandlung und es scheint, sie bekommt mir ganz gut, da ich sofort handelte und keine Notlage eintreten ließ. Ich fange sogar an, wieder ruhiger zu schlafen.
Doch genug davon. Du schreibst: "Fügungen", und sie ordnen sich mir allmälig immer mehr in den Lebenszusammenhang, und ich hoffe, sie zu bestehen. — Gesundheitlich hat mir Frl. Dr. Clauß mit Toniagol und Verodigen gut ausgeholfen.
Sei, bitte, nicht dagegen, daß ich am Sonntag nach 16 Uhr auf alle Fälle in die Pension komme. Die Fahrt mit der Elektrischen nehme ich nie schwer, und wetterscheu bin ich auch nicht. –
Ist es nicht auch eine "Fügung", daß ich hoffen darf, Dich am Sonntag zu sehen? Grüße an Susanne und Ida, und Dir tausend Dank von
Deiner
Käthe.