Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. Dezember 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 13. Dez. 1954.
Mein geliebter Freund!
Wie schmerzvoll war es mir, daß heut die mir geschenkten Stunden von so ungewohnten Widerwärtigten getrübt wurden. Es wäre leichter gewesen, wenn ich durch einen raschen Entschluß, wie sonst manchmal, der Sache hätte ein Ende bereiten können. Du weißt, daß mir das ganz besonders um Deinetwillen leid ist, denn ich brächte Dir so gern nur Erfreuliches. Jetzt ist es mein Bestreben, den gründlichen Anstoß, den meine Entschlußkraft erhalten hat, auch in möglichst erfolgreiche Tat umzusetzen.
Ich war bei Frau Heinrich, die so sicher und entschlossen im Leben steht und deren Rat immer praktisch sein wird. Das ist mir auch für die Zukunft wertvoll.
Heut möchte ich Dir nur noch einmal innig danken für die Geduld, mit der Du
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| mein bestürztes Tun und Reden zurechtgerückt hast. Es war mir so wohltuend, so gut ich es vermochte, Dir Alles zu berichten, wie es für mich chronologisch verlief, und wie es in seiner unverstandenen Kraßheit auf mich wirkte. — Die Nachrichten über eine Möglichkeit für weiteres Handeln, die Du mir brachtest, will ich sehr gern nutzen, da ich ohnehin Frau Ehrmann im Landfriedstift besuchen wollte. Vielleicht nennst Du mir den Namen der alten Dame noch einmal. – Auch all die andern Vorschläge befolge ich natürlich sehr gern. Es war wohl verkehrt, alles auf eine Nummer zu setzen, aber Herr Pfarrer Rieker hatte sehr mein Vertrauen gewonnen, und ich hatte mehrfach recht lange in der Sprechstunde gesessen, um dann die Versicherung zu erhalten: "das nächstemal ganz bestimmt."
Was nun Hermann betrifft, so will ich
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| ihm die Nachricht von der unangenehmen Nachwirkung seines Besuches ausführlich mitteilen, und ihn um Auskunft bitten, wie der Verlauf jenes üblen letzten Abends war? Ich kann mich auf den Verlauf absolut nicht besinnen seit dem Moment, als ich ihn in der St. Peterstr. wiedertraf. Vielleicht ist meine Vermutung falsch, daß er ohne richtigen Abschied abreiste. Ich möchte mir da nichts zuschulden kommen lassen.
Dir aber wünsche ich, daß Du noch etwas vor Deiner Sitzung ausruhen konntest, und daß Du noch rechtzeitig einen Anschluß nach Tübingen bekamst! Vielleicht aber bist Du jetzt, während ich schreibe, noch bei Rodrian? Das wäre mir "schlimm".
Der nächste Brief wird, so hoffe ich, wieder normaler sein! Grüße Susanne vielmals, auch Ida Dank für ihre Teilnahme.
Innig dankbar grüßt Dich
Deine Käthe.