Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Dezember 1954 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29. Dez. 1954.
Mein geliebter Freund!
Eigentlich sollten jetzt Neujahrsgrüße geschrieben werden, aber erstlich muß ich Dir für Deinen lieben Brief vom 28.XII. früh danken, der schon heut morgen ankam, und dann habe ich allerhand Nützliches erreicht. Bei Herrn Rensch (also ohne t) habe ich die definitive Zusage für das Zimmer, und wegen der Kündigung war ich bei Geh. Regrat Gunzert, der mir einen guten Text aufsetzte, aber leider nicht mehr als Rechtsanwalt zeichnen kann, weil er seit der Pension den Beruf aufgab. – Bei Trudel Nitsche hatte ich schon gestern Zustimmung erhalten für die Kündigung, die eigentlich nur für den Hauswirt gültig war.x [li. Rand] x aber Herr Gunzert setzte auch einen Text für sie auf, den ich ihr gebe.
Also ist hier in der Ferne wieder einmal alles nach Deinen Wünschen geregelt. Der Besuch bei Gunzerts geschah auf Rat von Frau Heinrich, ich habe immer nicht im rechten Augenblick den nützlichen Gedanken. Denn er besuchte mich doch noch vor ein paar Tagen und brachte eigenhändig eine Flasche Wein.
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| Aber dann auch noch seine Mietskenntnisse auszunutzen, fiel mir nicht ein. – Was nun das Landfriedstift betrifft, so würde das gewisse gesellschaftliche Verpflichtungen haben, gemeinschaftliches Essen etc., und das bin ich doch nicht mehr gewöhnt und ziehe das Essen im Zimmer vor. – Aber in die Rose werde ich doch gern noch weiter gehen, sobald das Wetter es nicht hindert. Ich bin da jetzt ein wenig eingebürgert.
Was nun das Geld anlangt, so möchte ich gern wenigstens das eine meiner Sparkassenbücher auflösen, denn ich weiß nicht, wie viel ich noch haben darf, wenn ich Unterstützung nachsuche. Und Ausgaben werden sich häufen. Ich habe aber nicht gern allzuviel bar im Haus. Also bitte, nichts schicken!
Wie froh bin ich, daß Dein Programm so gut mit meinen Absichten zusammen stimmt. Ich möchte in meinem Zimmer nur das versammeln, was ich mitnehmen möchte, und möglichst viel abstoßen.
Einen besseren Spediteur empfielt Frau Heinrich, und den will ich bald besuchen, damit er womöglich nicht schon bestellt ist. Du hast ganz recht, packen kann ich nicht mehr selbst, und das ließen wir ja auch in Kassel nach Tantchens Tode machen.
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Jetzt will ich aber auch noch ein wenig vom "Praktischen" abrücken und Dir erzählen, daß ich mit vieler Mühe auf meinen veralteten Atlanten das Cortina d`Ampezzo gefunden habe, und nun gern wüßte, wie sich das mit dem angekündigten Preis weiter verhält? Mußt Du da am 9. Januar hinreisen? Also für die Pädagogischen Perspektiven hatten sie sich entschieden, steht in der Frankfurter Z. Alle guten Freunde reden mich auf dieses Ereignis hin an, wie sie ja auch an meinen Schwierigkeiten lebhaften Anteil nehmen.
Schreiben wollte ich Dir noch, daß diese kleinen Briefumschläge wohl einen zu harten Kleister haben, der Brief war fast offen. Ich habe ihn vom Briefträger direkt bekommen, also wars einerlei.
Die Gedanken zur Daseinsgestaltung sind von einer fabelhaften Wirkung. Und ich sorge auch mit für entsprechende Verbreitung. Dafür werde ich, wenn Du erlaubst, auch die 10 M aus dem vorigen Brief mit verwenden, denn die Elektrische ist für meine Wege in die Stadt weit zweckmäßiger als ein umständlich beitelefoniertes Auto. Auch da summiert
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| es sich tüchtig in dieser Zeit.
Ich kann nur sagen, daß es zum Guten war, daß ich mich zusammen nehmen mußte, denn es ist, wie Du sagst: es ist das Beste, tüchtig zu tun zu haben. Daneben kommt auch noch: unerwarteter Besuch. Da stand plötzlich Maria Dorer vor meiner Tür, die ihre Fahrt von Neulußheim nach Darmstadt hier unterbrach, um mir –  – Bilder von ihrem Weihnachtsbaumaufbau mit Krippe von allen Seiten zu zeigen. Du wirst Dir denken, daß ich nur äußerlich Anteil nahm, da ich im Begriff war, wegen des Zimmers in die Stadt zu fahren, was aber dann auch noch klappte. – Sie hat mit ihren Studenten auch das Buch vom Piper Verlag begeistert aufgenommen. Und als ich das Pädagogische Gespräch im Himmel erwähnte, das Du ja einer Württembergischen Lehrerzeitschrift gabst, wollte sie gleich wissen, welcher?? –
In all den Päckchen, die ich bekam, ist so viel Kaffee, daß ich mich geradezu daran betrinke, und das scheint mir gut zu bekommen. Und auch schlafen kann ich wieder besser, seit sich die Wogen glätten. – Und nun ist nur noch Platz für herzliche Grüße allerseits, und noch besonders an Dich, mein einziger Freund, mit vielen guten Wünschen für Dein Wohlbefinden. Immer
Deine Käthe.