Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. Januar 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

2.I.55
15 Uhr
Meine geliebte Freundin!
Die Posttage haben so gelegen, daß ich Dir nicht unmittelbar zum Neujahrsfest noch einen Gruß senden konnte. Du weißt ja aber "alles", oder besser: Du wirst es fühlen. Der Rat von Herrn Gunzert hat Dir hoffentlich Mut gemacht, und außer Mut ist jetzt nichts nötig. Das Äußere macht sich, nachdem die Würfel gefallen sind, beinahe von selbst.
Ich habe keine eigentlichen Festtage gehabt. Der Berg von Post, durch die Rundfunkzuschriften vermehrt, war diesmal ungewöhnlich groß. Es sind wohl 270 Sendungen hinausgegangen, davon mindestens 120 als "Briefe". Davon bin ich ganz erschöpft. Wir werden morgen früh um 9 – also wohl noch vor dem Kommen des Briefträgers – via Nagold (!) nach Alpirsbach fahren. Am 5.I abends sind wir zurück.
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| Das waren dann die Ferien!
Nach Cortina kann ich natürlich nicht fahren. Es liegt 1300 m hoch. Da brauche ich 2 Tage, bis ich zum Atmen komme. Ich habe aber eine hübsche Danksagung nach Rom gesandt. Ein Vertreter der Deutschen Botschaft (Chef: Clemens v. Brentano) kann sie vorlesen.
Die 3 geselligen Kaffees, die wir hatten, spielten alle unter den hiesigen Assistenten. Es ist gut, junge und maßvoll beleibte Leute um sich zu haben.
Herr Dr. Gunzert wird Dir hoffentlich auch sonst mit eiligem Rat zur Seite stehen. Meine Adresse morgen und übermorgen ist Alpirsbach, bei Dr. med. Heß.
Jetzt müssen wir zu dem Ehepaar Pfuhler, Psychologen, bei dem ich den bekannten Heilbronner Arzt Dr. Kibler treffen werde. Es wäre manchmal gut, wenn man einen solchen hier hätte.
Von Dir hoffe ich, daß Du möglichst wohlauf bist. In diesem Sinne viele warme Wünsche für 1955 <re. Rand> von der gesamten Belegschaft hier.
Dein getreuer
Eduard.

[li. Rand] Litt wieder für 2 Monate in Gips!