Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. Januar 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

7.I.55.
Meine geliebte Freundin!
Bei der Rückkehr von Alpirsbach fand ich Deinen lieben Brief vom 3.I. Es ist also alles in Ordnung weiter gegangen. Auch fortan sollst Du vor allem die Ruhe bewahren und Überanstrengungen vermeiden. Die Parole heißt: "Bloß raus!" Am neuen Orte kannst Du dann allmählich sortieren, unbelästigt durch wunderliche Leute. Schreibe mir aber ja, wenn ich noch irgendwie helfen kann!
Die komische Fahrt über Nagold hat geklappt. Aber es war recht kalt. Wir wohnten im "Löwen", Brauereihôtel. Am 4.I. war Rudgers 68. Geburtstag. Ich bin nur wenig gegangen, weil ich ziemlich erschöpft bin und mit dem Magen irgend etwas los ist, was ich nicht definieren kann.
Bei der Heimkehr war von nur 3 Postbestellungen wieder ein Berg von ca 70 Sachen da. Inzwischen ist nämlich "Der Umgang mit sich selbst" auch von Beromünster gesendet worden. Die Folge
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| waren wieder 20 Bitten um das Ms. Ich bin seit 3 Wochen nicht mehr zu irgendeiner wissenschaftlichen Tätigkeit gekommen. Der Kasten mit den erledigten Postsachen ist viele Kilo schwer. So etwas darf mir nicht wieder begegnen.
Zu Neujahr hatten wir vormittags 11 Besucher. Am 13.I. fängt das Seminar wieder an; am Nachm. kommt Louvaris kurz.
Susanne läßt Dir für Deinen lieben Brief herzlich danken.
Auch Zollinger ist infolge eines Anfahrens durch ein Auto gestürzt; er hat eine Gehirnerschütterung und einen Unterschenkelbruch davongetragen.
Mir fällt noch ein: Wenn Du in dem neuen Zimmer für die Gardinen selbst sorgen mußt, so laß das vom Tapezierer zunächst nur vorläufig machen. Das Endgiltige kann folgen. Außerdem rate ich noch einmal, während des Umzugs für 1–2 Nächte in die Pension Rodrian zu gehen, wo Du ja schon bekannt bist. Für notwendige Neuanschaffungen sei nicht geizig.
Viele Grüße von uns allen!
Innigst Dein
Eduard.