Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. Januar 1955 (Tübingen)


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14.I.55.
Meine geliebte Freundin!
Hier folgen noch einige praktische Ratschläge.
1) Das Verhältnis zu der Schwester in der Leopoldstr. muß von vornherein gepflegt werden. Wenn die übergeordnete Instanz Rensch gegen ihren Willen verfügt, entsteht Verstimmung. Also gütlich mit ihr reden, und mal etwas "mitbringen."
2) Wenn der Packer und am nächsten Tage die "Ziehleute" kommen, muß ebenfalls im voraus Stimmung gemacht werden, teils durch Zigarettenpäckchen, (10 St. = 1 M) teils durch "Anzahlung" (sic) auf das Trinkgeld. Jede Knauserigkeit rächt sich durch Schwierigkeiten.
3) Soll das Sofa wieder gleichzeitig als Bett dienen, d. h. jeden Abend und Morgen der Umstand der Umpackerei
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| stattfinden? Das wird der Schwester auch nicht passen. Wenn Raum genug ist, kaufe doch auf meine Kosten eine neue Bettstelle. Du kannst ja die kürzeste Nummer nehmen.
4) Gegen das Kommen von Hermann war ich im stillen von vornherein; erstens deswegen und zweitens "überhaupt". Bestelle auf dem Studentischen Arbeitsamt eine Studentin zur Hilfe für 3 Tage, zwei in Rohrbach, einen in der Leopoldstr. Setze dafür 30 M aus, und vereinbare die Stunden nach Deiner und ihrer Bequemlichkeit. Irgend jemand muß Dir zur Hand sein.
5) Um die Pension Rodrian oder Ähnliches wirst Du kaum herumkommen. Denn wenn die Sachen am neuen Ort stehen, kannst Du dort doch nicht gleich den ersten Abend schlafen. Aber wie Du willst.
6) Großzügig sein! Es geht auch mal was kaputt, oder die Leute machen
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| es anders als Du willst. Das darf Dich nicht aufregen. Halte Fünfmarkstücke und Markstücke in großer Zahl bereit. Die normalen Trinkgelder wird Dir der Spediteur sagen, überschreite sie um mindestens die Hälfte.
Ich vermute, daß die ganze Affaire ein niederträchtiges Herausdrängungsmanöver ist. (s. Klopferei.) Wenn alles vorbei ist, behalte ich mir aber vor, darüber via Drexler noch ein Wörtchen zu sagen.
Louvaris ist hier (nur von gestern Mittag bis heute Nachmittag.) Er ist sehr müde und sieht schlecht aus. In diesen Jahren ereilt jeden das gleiche Schicksal.
Wenn Du sonst eine Hilfe brauchst, wende Dich an Schmeil. Er kann Dir gewiß auch jemanden von seinem Personal schicken, wenn noch etwas Besonderes zu tun ist. Nach Cortina
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| wird er doppelt bereit sein.
Wir haben ungewöhnliches Hochwasser, sieht interessant aus, aber ist nicht unbedenklich.
Wenn der Umzug, der "an sich" eine Kleinigkeit ist, überstanden ist und Du Dich gründlich ausgeschlafen hast, werde ich Dich einmal per Sonntagskarte besuchen, damit wir über etwaige Restprobleme sprechen können. Dringend wichtig ist, um auf den Anfang zurückzukommen, daß die "Stimmung" in der Leopoldstr. gut ist und in dieser Richtung psychologisch gut verfahren wird.
Alle hier halten den Daumen.
Innigste Grüße
Dein
Eduard.