Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Januar 1955 (Tübingen)


[1]
|
Tübingen, den 22.I.55.
Meine geliebte Freundin!
Es kommt jetzt nur auf eines an: Mut haben! In 14 Tagen ist alles überstanden!
Die Rechnerei ist unwichtig, wenn nur der Einzug definitiv genehmigt ist. Das Geld, das Du brauchen wirst, ist immer da. Wir können das Schicken über eine andre Adresse arrangieren. Wahrscheinlich ist doch für den Umzug mit allem drum und dran noch etwas erforderlich. Teile mir z. B. die Wohnung von Hedwig Matthy mit, und den benötigten Betrag. Dann sende ich dorthin.
Bier und Brot sind heute weniger erwünscht als Bargeld. Halte kleine Viktualien trotzdem
[2]
| bereit. Das Wichtigste ist, das Trinkgeld für alle, die da kommen, auch den Fahrer, auf 2 Gaben zu verteilen, am Anfang zum Lustmachen, am Schluß zum Bedanken und zum Verhüten, daß etwas zwecks privater Schadloshaltung im Wagen bleibt. Den muß jemand vor dem Wegfahren unauffällig kontrollieren.
Sortieren kannst Du, wenn die Möbelstücke stehen, und dafür kannst Du Dir beliebig Zeit lassen. Deine aktive Mitwirkung beschränkst Du am besten darauf, möglichst gutes Wetter zu machen, in der Natur und in den Gemütern. Daß Du meinen Rat, noch für eine zugreifende Hilfe (wo sie auch herkomme!) zu sorgen, ablehnst, tut mir leid. Mindestens könnte es doch die Madame Doerbrot sein. Diese Hilfe hat nämlich auch einen Kopf, bei dem Du eine Anleihe machen kannst, wenn es
[3]
| nötig ist. Sonst sehe ich schon, daß Du am Umzugstage die Treppe 20 mal herunter und wieder hinauf läufst. Ebenso ist es dann in der Leopoldstr, und nachher bist Du erledigt. Ich mache keine Vorschläge, die ganz überflüssig sind. Der oder die Betreffende könnte, nachdem die Stube besenrein gemacht ist (das ist Vorschrift!), auch die Schlüssel abgeben, was das Verfahren vereinfacht.
Wenn Du richtig geschrieben hast, ist also der eigentliche Umzug am Dienstag, den 1. Februar. Der Packer wird doch wahrscheinlich schon am 31.I. kommen?
Berechne einmal, wie viel Tage Du etwa zum völligen Ausschlafen brauchen würdest. Danach richtet es sich, ob ich für einen Besuch schon Sonntag, den 6. Februar ins Auge fasse (nur vorm. für wenige Stunden) Ich frage nur deshalb heute schon, weil
[4]
| ich bei Rodrian bestellen müßte. Wir könnten das aber auch noch um eine Woche verschieben, wenn Dir das lieber ist. [] (Da könnte ich erst Sonnt. nachm.
Heute hätte ich eigentlich um 8 Uhr früh mit dem Auto nach Karlsruhe fahren sollen. Die Sache ist aber abgeblasen worden, weil höchst gefährliches Glatteis war. Außerdem wären wir in der Rheingegend in schweren Nebel gekommen. Hoffentlich hast Du Dich heute zum Mittagessen mit dem näher gelegenen Lokal begnügt. In ähnlichen Fällen muß auch einmal eine schnell heiß gemachte Wurst genügen.
Sollte noch eine Frage sein oder von mir etwas zu tun sein, so schreibe per Postkarte. Im übrigen mache Dir jetzt keine Mühe mit Briefen. Ich brauche nichts weiter zu wissen, als daß Du gesund bist und die unzweckmäßige Gewohnheit, Kleinigkeiten zu schwer zu nehmen, unterdrückst.
Alle grüßen vielmals. Innigst Dein
Eduard.

[li. Rand] Jenny Honig hat sich von sich aus auch erboten, Dir in den betr. Tagen zu helfen. Aber 2 Dickköpfe ist vielleicht doch zu viel.