Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Februar 1955 (Tübingen)


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Tübingen, den 1.3. Februar 1955.
Meine geliebte Freundin!
Diesmal bin ich aus Heidelberg wesentlich beruhigter abgefahren als im Dezember. Ich finde Dein neues Zimmer sehr angenehm, und wenn ich mich im Zentrum von Heidelberg einmal einquartieren müßte, würde ich durchaus dort zu leben bereit sein.
Ich möchte aber noch folgende Ratschläge geben. Jetzt, für den Anfang, würde ich nur noch den Linoleumbelag und die nötigen Beleuchtungskörper anschaffen. Sonst denkt "man" im Hause, da sei ein Mitbewohner mit ungleichen Mitteln eingezogen. Um so mehr aber würde ich andere Dinge beschaffen, die nötig sind und in die Schränke kommen. Denn bei einer Neueinrichtung braucht man
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| auch sonst manches, und man ist einmal beim Geldausgeben, was Dir immer so schwer fällt. Später, nach einer Pause, kann dann noch mehr für die Verbesserung des Zimmers selbst geschehen.
Melde mir bitte, wann zum ersten Mal am Abend ein Strahl Sonne in Deine Fenster hineinfällt. Vorher werde ich allerdings wohl noch einmal "durchreisen" – plangemäß so um den 12. März herum.
Allerdings habe ich seit 2 Monaten neue gesundheitliche Behinderungen. Anscheinend hat das Schlucken von Herzmitteln, das ich seit ca 20 Monaten betreibe, den Magen gründlich verdorben. Die Erscheinungen sind um so merkwürdiger, als Appetit und Verdauung absolut normal sind. Aber der "Schelling" und andere Störungen sind furchtbar angewachsen.
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Ich habe in letzter Zeit mehrere kleine Aufsätze druck fertig gemacht. Einmal waren wir kurz in Bad Imnau. Gestern war Rektorfest, bei dem die Tochter von Bosch meine Tischnachbarin war. Das ist bekanntlich die ungekrönte Königsfamilie von Württemberg.
Am Dienstag hatten wir ganz unerwartet Besuch vom Grafen Hardenberg. Das war ganz interessant, aber alles andere als erfreulich.
Weitere Nachrichten unterlasse ich heute "wegen Abganges der Post". Ich füge nur noch hinzu, daß ein m. E. sehr zarter und doch deutlicher Brief an Dr. Drechsler geschrieben worden ist.
Nun ruhe Dich nach den Strapazen und Aufregungen gründlich aus! Sorge in jeder Weise für Dich und genieße den ja nicht leicht errungenen Frieden!
Ida, Susanne und ich grüßen Dich herzlich.
Wie stets Dein
Eduard