Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. März 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

18. März 55
Meine geliebte Freundin!
Am Sonntag bin ich, unterstützt durch Deine verschiedenen Mitgiften, ganz gut nach Tübingen gekommen. Susanne traf eine Stunde später von Alpirsbach ein. Auch die 3 Tage Prüfungen sind überstanden; hoffentlich reicht nun die Zeit noch, um den Vortrag für Baden-Baden (30.III.) fertigzustellen. Im Anschluß daran fahren wir vielleicht kurz nach Frankfurt (DFG.) und Kronberg.
Die Angelegenheit Christiane hat noch viel Kümmer und Eilbriefe erzeugt. Wir hoffen aber, daß – auch auf mein Schreiben hin – der Minister die probeweise Einschulung in Königstein (nicht mehr Kronberg) genehmigt.
Nach weiterem Bedenken halte ich es doch nicht für richtig, daß Du alle Zimmer
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|besuche im Hause unterlassen hast. Wir haben gesehen, wie wichtig eine gute Etagenstimmung ist. Wäre ich Mitbewohner, nähme ich das Ausbleiben einer persönlichen Vorstellung übel. Der geeignete Zeitpunkt für eine solche 5 Minutenvisite ist Sonntag zwischen 11 und 12. Die Verspätung kann man mit angegriffenem Befinden entschuldigen. Daß redselige Gegenbesuche kommen, kann man nicht verhindern, allenfalls durch kluge Technik einschränken.
Herr und Frau Schmeil sind wieder da. Mir steht eine Flut von Korrekturbogen bevor, zumal da auch die Rede über Hausmusik in Druck gegangen ist.
Hoffentlich hast Du günstige Nachrichten von Deiner Schwester!
Heute ist schon April, viel Schnee und dann wieder Sonne. Aber es werden bald Tage kommen, an denen Du Deinen Balkon benutzen kannst. Dazu wird vielleicht Anschaffung eines Stehschirmes ratsam sein.
Für heute nur so kurz, weil die Aufschichtung von den 3 Reisetagen <li. Rand> her noch nicht überwunden ist. Weitere gute Besserung für Deine Augen und Vorsicht bei der Märzluft!  Innigst [unter der Zeile] wie stets Dein Eduard