Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. März 1955 (Stuttgart/Hôtel Stafflenberg)


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z.Z. Stuttgart, Hôtel Stafflenberg
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

26.III.55
Meine geliebte Freundin!
Da es von Tübingen aus nicht mehr ging, möchte ich Dir von Stuttgart einen herzlichen Gruß senden, der allerdings nicht mehr zum Sonntag eintreffen wird. Ich bin zu einer (überflüssigen) Sitzung hier, fahre am Nachm. wieder nach Hause. Am 30.III. nachm. fahren wir nach Baden-Baden, Hôtel Atlantic und bleiben dort bis 1.IV. früh. Die Reise nach Kronberg etc. kann aber erst nach Ostern stattfinden. Ich bin z. Z. "überfordert". Von 5 verschiedenen Sachen kommen die Korrekturen zu gleicher Zeit, und der Vortrag für B.B. macht auch Mühe. Außerdem habe ich schweren Ärger gehabt, mit dem ich Dich heute nicht bemühen möchte. Wenn Du eine kleine Druck
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|sache bekommen hast, die Dich wundern wird, werde ich Dir das, was dahinter steckt, später erklären. Kurz, es war eine sehr gehetzte Sache. Dazu nun die unerhörte Wärme! Es ist wirklich zu viel. Gestern abend um 23 bin ich schon ohne Mantel ins Hôtel zurückgegangen.
Du kannst nun aufstehn, wann Du willst, und brauchst nicht auf die Heizung zu warten. Aber das kommt noch anders!
Immerhin hoffe ich, daß Dir der Frühling wohltut und das Du das Wachsen der Knospen verfolgen kannst. Deine Augen sind – ebenfalls hoffentlich – wieder in Ordnung. Tue, was Du kannst, um Dich zu pflegen. Ein Taxi fährt Dich leicht auf das Schloß ins Grüne.
In Stafflenberg hat meine Bezihung zu Stuttgart angefangen. Welche Veränderungen seitdem!
Innigste Grüße
Dein
Eduard.