Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 3. April 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

3. April 55.
Meine geliebte Freundin!
Bis auf die Kälte waren die Tage in Baden-Baden recht angenehm. Ich habe mit m. Vortrag viel Sympathie gewonnen. Zu den Spitzen gehörte auch Herr v. Witzleben, (Siemens), der Schwiegervater von Konrad Honig in Münster, dessen Frau Irene eben von Jenny Honig vertreten wird, wobei sie ein schwieriges Regiment über die zahlreichen Kinder zu führen hat. Auch eine sehr angenehme Frau v. Siemens, gebürtig aus Uruguay, war mit ihrem Gatten dabei.
Wir sind am Freitag, leider ohne Sicht, über die Schwarzwaldhochstraße, Kniebis, Freudenstadt, nach Hause gefahren. Gestern kam die Abschrift von Christianes Volksschulzeugnis, das geradezu von Einsen strotzt. Trotzdem hat sie das Aufnahmeexamen nicht bestanden. Unser Besuch in Kronberg muß darauf Rücksicht nehmen, daß sie durch ihn bei ihrer
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| Probewoche in Königstein nicht abgelenkt wird. An sich möchte ich spätestens am 14.IV hier fort. Können wir nach Kronberg, so wird dann natürlich in Heidelberg Station gemacht. Da Herr Springer etwas von mir will, steht für Mitte Mai ein weiterer Besuch in Aussicht. Auch mit Schmeil ist allerhand zu besprechen.
Du wirst Dir gedacht haben, daß mein teurer Privatdruck (mit Versand 300 M) auf einen öffentlichen Angriff, ich sei Nazi gewesen, zusammenhängt. Da ich nun schon ca 200 Exemplare in alle Welt versandt habe, ist diese gemeine Aktion wenigstens schnell pariert worden. Es sind auch schon Antworten da, die von Verständnis zeugen.
Es wird auch bei Euch scharfe Märzluft, trotz Sonne, gewesen sein. Aber in Dein Zimmer ist vielleicht nur die Sonne gedrungen. Daß das der Fall ist, ist doch schon ein ungeheurer Fortschritt. Aber richte Dich ja immer gemäß der Temperatur beim Ausgehn ein. Ist das Außenthermometer schon angebracht? Ich wünsche das Allerbeste und grüße von allen, auch von der beschenkten Ida.
<li. Rand> Übermorgen Mittag kommt Litt auf der Rückreise von Gastein für einen Tag. Für Ostern haben wir noch nichts vor. Innigst Dein
Eduard.