Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. April 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

29.IV.55.
Meine geliebte Freundin!
Von dem Aufenthalt in Wolfach ist noch nachzutragen, daß wir an einem Vormittag auf der Jakobskapelle waren, die auf dem Wege nach dem Moosenmättle liegt. Höher komme ich jetzt nicht mehr. Am Sonntag holten uns Dr. Bähr und sein Onkel, Sägewerkbesitzer Schondelmaier in Hornberg, mit dem Auto ab. Wir fuhren zunächst auf der rechten Seite von Gutach auf das Büchereck und die noch einsamer gelegene Prechtalschanze (ca 900), dann von Hornberg links hinauf zum Fohrenbühl, einem neuen Turmrestaurant ½ Stunde vom nicht berührten Moosenmättle. Dort aßen wir Mittag; Aufenthalt im Freien war der Kälte wegen kaum möglich. Kaffee bei Schondelmaiers in Hornberg; dann Rückfahrt, Bähr nach Tübingen, wir nach Wolfach.
Am Montag blieben wir noch ein paar Stunden in Alpirsbach, ganz gemütlich, und waren abends mit ziemlicher Verspätung zu Hause.
Dort erwarteten mich die üblichen Berge von Post, mit deren Abtragung ich noch immer beschäftigt bin. Das geht schon längst über meine Kraft. Belangvoll war eigentlich nur ein Brief von einem Industriearzt in Berlin (Osram)
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Die Sitzung morgen, die für Karlsruhe angesetzt war, ist nach Freiburg verlegt. Dorthin in einem Tage und zurückfahren, geht ebenfalls über meine Kräfte. Ich unterlasse dies also. Am 5. Mai beginnt für mich das bißchen Semester, am 6. Mai ist Rektorwechsel, am 8. Mai Schillerfeier in Stuttgart.
Mit warmer Teilnahme habe ich gelesen, daß es bei Deiner Schwester so schlecht gestanden hat. Jetzt geht es hoffentlich in normaler Weise aufwärts. Geduld gehört dazu. Auch Zollingers Erwartung, jetzt – nach 4½ Monaten – aus dem Spital entlassen zu werden, hat sich nicht erfüllt.
Wenn Du im wesentlichen die Sonne vom Fenster aus genossen hast, wird Dich die Kälte nicht gestört haben. Wir haben in den 12 Reisetagen den Schirm nicht aufgemacht, aber immer Schutz vor dem eisigen Wind suchen müssen. Trotzdem war das Unternehmen erfreulich, dank auch der sehr angenehmen Atmosphäre in der Wolfacher "Krone."
Die eine der Schwestern Lang in Kreuznach – nicht die, die Du wohl gerade in Wolfach kennen gelernt hast, ist gestorben. Ich komme aus dem Kondolieren und Gratulieren (Tochter bei Claus Wallner, Patensohn) auch nicht mehr heraus.
Die Springerkonferenz in Heidelberg wird erst in der Fronleichnamwoche sein. Vielleicht aber ist schon vorher einmal Anlaß zum – Sehen <re. Rand> des neuen Hauptbahnhofs. Es ist schon jetzt völlig unmöglich, für den Berner Kollegen Stein mit Frau, die zu Pfingsten kommen <li. Rand> wollten, irgend eine Unterkunft zu finden. Ärztekongreß.
Sonst weiß ich heute nichts Neues. Also schließe ich mit den üblichen dreiseitigen Grüßen und den wärmsten Wünschen für Dein Wohlergehen. Dein
Ed.

[li. Rand S. 1] Gestern Brief von – Frommherz aus Malcesine. Er hat dort ein neues Hôtel aufgemacht. Das seiner 2. Frau in Diez hat er verpachtet, ebenso den "Mohren" an seine Tochter. Also Frommherz, Inh. eines Hôtelkonzerns.