Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. Mai 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

7. Mai 55
15½
Meine geliebte Freundin!
Wieder schreibe ich unter etwas unruhigen Umständen. Wir erwarten heute um 16 Uhr ein junges durchreisendes Ehepaar wollen aber um 18.16. abreisen. Denn zwecks Teilnahme an der Stuttgarter Schillerfeier müssen wir in der Nähe übernachten, und zwar wollen wir es in Eßlingen tun.
Das "Jubiläum" ist nicht ganz still verlaufen, obwohl ich mit keinem Wort davon gesprochen habe, aber doch in maßvollem Umfange. Nachdem ich am Donnerstag mein Seminar mit 1½ stündiger Einleitungsrede eröffnet hatte, erschien um 11.30 im Hause unser Dekan Gerstenberg mit den Historikern Rothfels und Vogt. Er überbrachte und las vor ein längeres Schreiben vom Dekan der phil. Fakultät freie Universität Berlin, das der Rektor mit unterzeichnet hatte. Drei Fachkollegen und der
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| studentische Fachschaftsvertreter erschienen auch mit Blumen auf der Bildfläche.√ [unter der Zeile] √ auch der liebe Dr. Bähr. Damit hielt ich die Sache für erledigt.
Gestern war Rektoratsübergabe, die sich – ziemlich dehnte. Hinterher Essen im Museum für 40–50 Spitzen. Da drückte mir der scheidende, sehr liebe Rektor Arnold eine Flasche Sekt in den Arm. Der neue Rektor (Eurer namens Herbig war auch dabei) schloß mich in seine Hauptrede mit ein, und so mußte ich denn auch reden und bekam viel Freundliches zu hören. Es ging dann noch ein langes Telegramm vom Präsidenten der Berliner (Ost) Akademie der Wissenschaften ein und wenige Briefe. Hoffentlich bin ich damit um diese Klippe herumgekommen. Die hiesige Zeitung hat den Fall in einer kaum bemerkbaren Form erwähnt.
"Unser" Minister Simpfendörfer war bei dem Museumsessen übrigens auch dabei. Der Witwe von Ernst Hoffmann, der mit mir promoviert worden ist, habe ich ein Telegramm geschickt, u. eine freundliche Danksagung traf heute ein.
<li. Rand> Einige von den Fragen, die Dein lieber Brief aufwirft, werden wir hoffentlich bei meinem nächsten Besuch erörtern. Vorher sende ich das Übliche, diesmal im eingeschriebenen Brief, also Vorsicht beim Aufmachen!
<re. Rand> Mögest Du bessere Nachrichten aus Berlin haben. Heute kam langer Brief von Johanna Richter. Aus den angegebenen Gründen muß ich für heute abbrechen. Aber Du bekommst nun doch einen Zettel zum Montag.
<Kopf>
Alle hier grüßen mit mir. Innigst Dein Eduard