Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Mai 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

22. Mai 55.
Meine geliebte Freundin!
Der "Stimmungsbericht" in Deinem lieben Brief war ja wenig erfreulich. Man findet einen schwachen Trost in dem Wissen, daß jetzt alle Menschen überfordert sind und andre das entgelten lassen. Du wirst mir bei meinem nächsten Besuch ja erzählen, wo denn die Reibungsflächen überhaupt liegen. Ich vermute, daß Ihr ebenso noch heizt, wie wir es tun müssen. Es fehlt die mildere Behandlung schon von seiten der Natur.
Schlechtes Wetter mit scharfem Wind hatten wir auch zu unsrer Autofahrt nach Ludwigsburg ("Blühendes Barock"), dem Hohen-Asperg und dem Weinort Strümpfelbach. Seitdem konnten wir nichts unternehmen. General Speidel hat in unsrem Herrenkreise recht interessant gesprochen. Das Seminar mußte wegen Himmelfahrt auf Freitag verlegt werden. Gestern hatten wir angenehmen Besuch des Leiterehepaares des Schulheimes in Urspring. Heute war ein vertrauenswürdiger
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| und sympathischer Mann aus Berlin-O da.
Auf die Zwangsuntersuchung, deren Zulässigkeit Du mit Recht bezweifelst, ist bis jetzt nichts weiter gefolgt. Ich werde meinerseits abwarten, ob man noch etwas von mir will. Die Lunge ist z. Z. dasjenige Organ, das mir garnicht bemerkbar ist. Ich huste nicht und habe den ganzen Winter über keine Erkältung gehabt.
Die Konferenz, die Springer angeregt hat, soll am 10. Juni stattfinden. Ich beabsichtige, schon Fronleichnam Nachmittag in H. zu sein. Am 10.6. Vormittag kommt vielleicht auch noch 1 Stunde heraus. Aber am Abend muß ich in Tübingen sein, weil am 11.6. eine Sache in Baden-Baden stattfindet, die ich von Heidelberg aus nicht rechtzeitig erreichen würde. Am 18. Juni ist das Kapitel des Ordens P.l.M. in Bonn.
Ein Brief, der um 6 früh aus Deinem Kasten geholt wird, erreicht mich erst [über der Zeile deutlicher] erst am folgenden Tage. Dieser hier kommt vor 20 in den Kasten, wird aber bestenfalls am Montag mit der 2. Post ankommen. (?)
Das Ms. "Ende der F.W. Universität" werde ich Dir so um den 3. Juni herum schicken und dann am 10.6. wieder mitnehmen, damit ich Dir die Mühe der Verpackung erspare. Morgen muß ich <li. Rand> an die Einkommensteuer heran, die stärkste Nervenprobe des Jahres. Sehr mißstimmend wirken auch die sehr häufigen unmotivierten "Schellings". Es scheint, daß Kant auch darunter gelitten hat. Denn <re. Rand> was könnte sonst mit der Bezeichnung "Magenmundblähungen" gemeint sein?
Der liebenswürdige Druckereikorrektor, der seit 1952 die gemeinsamen Geburtstagsfeiern organisiert hat, ist von einem M.Rad zu Tode <Kopf > gefahren. Frau schwer verletzt.
<li. Rand S. 1> Ich darf doch annehmen, daß Du Dich bei den ständig kalten Winden ausreichend aquizierst und auch sonst recht vorsichtig bist. Ida hat unablässig rheumatische Schmerzen im l. Arm u.s.w.
<re. Rand S. 1> Ich habe doch wohl geschrieben, daß Christiane durch einen Ukas des Ministers nun doch probeweise in Königstein aufgenommen ist. Natürlich große Freude. Ob ich das bewirkt habe <Kopf S. 1> oder Suderland als CDU-Mann, bleibt offen!
Innigste Grüße von allen im Hause.
Dein Eduard