Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. Juni 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

24.6.55.
Meine geliebte Freundin!
Viel kommt heute nicht heraus; nur ein Dank für das Zusammensein und für Deinen lieben Brief. Ich muß nämlich den Vortrag noch fertig machen, den ich morgen in Littenweiler bei Freiburg zu halten habe. Wir bleiben dann noch bis Montag in einem Schwarzwaldort, den ich aber nicht angeben kann, weil wir ihn selbst noch nicht wissen.
Unmittelbar, nachdem wir uns, wie es in Japan hieß, "abgesehen" hatten, kam aus dem Nebenabteil der Kollege Fues von der TH. in Stuttgart, ein sehr feiner und tiefer Mensch. Er blieb bis Stuttgart auf mir sitzen. Auf der ganzen Fahrt war es recht schwül. Susanne kam 2 Stunden nach mir, von Alpirsbach. Die unmittelbare Lebensgefahr bei meinem Schwager Heß ist vorüber. Aber der Zustand bleibt dauernd ernst.
Es tut mir leid, daß es auch bei
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wieder schlecht geht. Erwidere doch immer die freundlichen Grüße in gleichem Sinne.
Zum Wiederfinden des Vögelchens gratuliere ich. Vogel drin und Vögel draußen – da kann es an Gezwitscher nicht fehlen.
Gestern war wieder so ein richtiger Emeritiertentag: Morgens Vorbereitung, ½ 10–11 Seminar, ½ 12 Besuch eines Katecheten aus Meißen, der unsre bescheidene Bewirtung sehr genoß. Er ging um 15.  15 ¼ bis 18 ¼ Fakultätssitzung. 20–21 ½ Antrittsvorlesung des zweiten Ordinarius für Philosophie W. Schulz, bisher Heidelberg. In der Antrittsvorlesung von Schrade vorige Woche war Susanne allein. – Am Mittwoch waren der Dr. Bähr und der Kollege v. Rintelen aus Mainz da.
Auch in der nächsten Woche wird es heiß hergehen. Bisher bleibt die Verabredung mit Frau Meinecke in [re. Rand] 2.VII Zürich fest. Wir bleiben 2 Nächte im Hôtel Urban, Stadelhoferstr. Natürlich wollen wir auch Zollingers besuchen.
Der Sommer scheint zu kommen. Aber einen klaren Himmel will es nicht geben.   Pflege Dich recht und sei <li. Rand> in allem vorsichtig, gerade auch unter dem heißen Dach in Rohrbach! Alle grüßen. Innigst Dein Eduard