Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. November 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

22.XI.55
Meine geliebte Freundin!
Die Fahrt durch das Neckartal war trotz der späten Jahreszeit wieder sehr hübsch. Vielleicht habe ich davon mit meinen Augen zu viel getrunken; denn sie waren in diesen Tagen wieder recht schlecht. Susanne kam 2 Stunden nach mir von Alpirsbach, wo es passabel geht. Hingegen scheint es leider, als ob die schwere Operation in Essen an Mariannes Ohren keinen Erfolg gehabt hätte.
Am Tag darauf kam Louvaris und blieb bis Donnerstag früh. Er sah ganz gut aus und war aufgeschlossener als sonst. In gemeinsamer Vermeidung von Schädlichkeiten haben wir die Zeit angenehm verbracht. Vom Rauchen kann er ebensowenig ganz lassen wie ich.
Donnerstag begann ich mein 10-Mann Seminar, das ohne besonderen Schwung verlief. Die sonstigen Zeiten werden durch ausländischen Besuch ausgefüllt.
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Es ist mir lieb, daß die Beunruhigung mit der Landfriedstr. vorbei ist. Eine Verbesserung wäre damit nicht verbunden gewesen. Das andere aber wartet man in Ruhe ab, wie "Schickungen".
Von morgen an kommt für mich eine bewegte Zeit: Dies Academicus, Fakultät, Senat, Fördererkreis, Augenklinik, Tag der Hausmusik etc. Unser Landrat (aus Eberswalde) hat mich gebeten, am 3.12 bei der Zusammenkunft der Regierungsbeamten zu reden, die 1945 hier den Wiederaufbau begonnen haben. Das sind nur 50 Leute, u. ich habe ein sehr interessantes Thema. Der Vicekanzler Blücher hat mir 3 Reden geschickt, weil ich in die Kommission für Parteienrecht in Bonn gekommen bin. So werden die ganz Alten immer noch gebraucht. Aber man tut alles mit Zagen. Du solltest es ohne Zagen, jedoch mit Vorsicht tun. Gestern war hier finstre Nacht; heute ist es freundlicher, und so nähern wir uns wieder einmal Weihnachten. Ich danke Dir für die liebe Aufnahme und freue mich auf <li. Rand> eine nicht allzu ferne Wiederholung des Besuches. Die Sache mit dem Karlstor war für mich recht praktisch. Alle grüßen herzlich
<re. Rand>
Innigst Dein
Eduard

[re. Rand] Springer hat für den Hutzelwald gedankt, aber ihn anscheinend nicht gelesen
[Kopf] Redslob kannst Du behalten, aber nicht die Zigarren selbst rauchen