Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Dezember 1955 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

19.12.55.
Meine geliebte Freundin!
Herzlichen Dank für Deinen heute eingetroffenen lieben Brief. Die Antwort fällt spärlich aus. Denn einmal steht es mit m. Augen schlecht, und außerdem fühle ich mich heute besonders klapprig, was ich damit in Verbindung bringe, daß ich wieder eine ganz kleine Dosis von dem Medikament nehme, womit ich gespritzt worden bin. Es hat offenbar sehr starke Nebenwirkungen, aber so gut wie garkeine direkte Wirkung.
Nach unsrem Abschied auf dem zugigen, noch stimmungslosen Heidelberger Bahnhof ging meine Fahrt mit ebenso vielen Verspätungen wie am Vormittag weiter. Am Montag habe ich hintereinander 3 Rundfunkvorträge auf Band gesprochen. Terminlich festgelegt ist nur die Gratulation für Litt am 27.XII. 22¾. Das ist weder für Dich noch mich eine Zeit. Ich jedenfalls werde
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| nicht zuhören.
Im Hause ist schon die übliche Weihnachtsunruhe, und ich fürchte mich diesmal besonders vor dieser für mich immer schwersten Zeit des Jahres. Mit Holzhausens ist verabredet, daß wir – also 6 Leute – uns vom 28. nachm. bis 31. nachm. in der "Krone" in Wolfach treffen. Die Antwort der "Krone" steht aber noch aus.
Gestern hatten wir angenehmen Kaffeebesuch von dem Osthistoriker Markert und dem Missionswissenschaftler Rosenkranz mit Frauen
In Bielefeld gibt es einen Dozenten auf musischem Gebiet (Zeichnen oder Musik), der bisher über Pädagogik gelesen hat Der Littschüler Prof. Reble hat sich aber das Fach allein vorbehalten. Ist es etwa Mädis Mann, der als der Betroffene in Frage kommt?
Ich bin bei meinen Arbeiten für die Parteienrechtskommission. Sie sind interessanter als ich gedacht habe.
Für den 4.I sind wir von Heuß nach Bonn eingeladen, für den 10.I [über der Zeile] ich zu einer Kommission für Jugendleiterinnenausbildung in Bonn. Beides kommt nicht in Frage. Im günstigen Fall 27/28.I
<li. Rand> Es will heute nicht weiter gehen. Daher mit liebevollem Schluß
Dein Eduard.

[li. Rand] Erkundige Dich, was gegenüber der Schwester und Frau Henni? zu Weihnachten üblich ist!