Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Dezember 1955 (Tübingen)


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Tübingen, den 23.12.55.
Meine geliebte Freundin!
Die Geschenke sind klein; der Brief ist kurz. Aber die Freude, daß unser tiefer Seelenbund noch immer auf Erden dauern darf, ist das eigentlich Festliche. Und so werden wir in dieser Gemeinsamkeit ein schönes Fest haben, ohne daß wir es uns zu wünschen brauchen.
Von Dir ist bereits ein Packet von beträchtlichem Umfang und ein dunkelrotes Couvert eingetroffen. Dies nur als Empfangsbestätigung. Angesehen ist noch nichts. Das soll in einiger Ruhe geschehen. Aber zu allem anderen ist auch eine Besuchswelle, wie
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| selten. Heute wieder waren 3 zugleich da, darunter auch Dr. Norbert Matussek, den ich immer angenehm finde. Er fährt heute nach Gernsbach – zu seinem Kind.
Das Elternpaar Bähr (Wieblingen) habe ich nach dem neuen alten Kohlhof empfohlen. Die Mutter ist nach schwerer Krankheit sehr erholungsbedürftig. Bei Herrn Schmeil ist die Hornhautentzündung wiedergekommen. Wie Litt den 75. feiern wird, ist hier nicht bekannt geworden. Wir erwarten nun am 1. Feiertag Bährs, und am 4. Feiertag 11.13 soll es nach Wolfach in die "Krone" gehen. In 3½ Stunden ist man schon da. Ob die Wahl für den Winter richtig
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| ist, bezweifle ich. Aber auf Eberbach haben die Holzhäusler nicht angebissen.
Mein Entwurf zum "Parteienrecht" ist im Unreinen schon fertig. Die arme Susanne, die dies Jahr die meisten Briefe zu schreiben hatte, muß das dann auch noch vor der Reise abschreiben.
Zum ersten Mal verlebst Du Weihnachten in einem "Kreise". Er ist aber wohl nur punktiert, und nach ein paar Weihnachtsliedern wird jeder in sein Zimmer gehen. Hoffentlich hast Du Dich vor Weihnachten nicht geplagt und bewahrst Du die Stimmung, wie die Dinge auch laufen. Dieser Gruß soll Dir Gutes wünschen für alle 12 Heiligen Nächte. Zu
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| Neujahr kommt dann noch kein Brief, sondern höchstens eine Ansichtskarte. Es geht ja nicht mehr so mit dem Schreiben. Susanne ersucht mich eben, ihre Weihnachtsgrüße für Dich dick zu unterstreichen, und Ida ist natürlich auch dabei.
Am 20. Januar rede ich durch den Heidelberger Rundfunk; Stunde noch unbestimmt.
Nun alles Liebe, das über die Worte hinausgeht, und Dank für das, was Du mir bist!
Dein
Eduard.