Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. Januar 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3.I.1955.
Mein geliebter Freund!
Denke Dir, Dein lieber Brief vom 2.I. um 15 Uhr geschrieben, war schon heut, gerade als Ihr nach Alpirsbach abfuhrt, in meinen Händen! Mehr kann man doch wirklich nicht verlangen! Aber ich verlange ja überhaupt nicht, ich bin nur sehr dankbar, höchstens "habe ich manchmal ein Verlangen", aber das ist dann ein passiver Zustand!
Für Dich ist doch alle Jahre diese Zeit ganz besonders anspruchsvoll an Deine Gabe, schöne Briefe zu schreiben und ich fühle die Aufregung mit, die [über der Zeile] es Dir bringt! Denn in meiner augenblicklichen Verfassung bringe ich nicht mehr als täglich zwei Schreiben zu Papier. So wird also der lange geplante Brief an Susanne sie nicht heut in Tübingen, sondern erst am 5.
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| erreichen, vielleicht mit diesem gleichzeitig.
Jetzt denke ich mir, bist Du hoffentlich recht behaglich im Familienkreise mit dem bewußten Hund! – Wie war die Fahrt? Hier ist es maßvoll winterlich.
Ich habe den Übergang ins neue Jahr im Schlaf zugebracht. Es war vorher ein ununterbrochenes Krachen und Bollern, dann ging offenbar der Stoff aus, und da schlief ich ein. So bin ich eigentlich auch über die Festtage nur mit halbem Bewußtsein hinweg gekommen. Eine große Menge von freundschaftlichen Grüßen und Päckchen harren noch des Dankes! Aber ich arbeite täglich daran! Nur mit dem Kalender bin ich noch nicht weiter gekommen, aber ich bin froh, daß Du vorläufig den Ersatz hast. –
Hier ist die Kündigung vorschriftsmäßig verlaufen. Von W. bekam ich heut morgen die schriftliche Annahme der Kündigung mit der
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| Quittung des fälligen Mietsgeldes für Januar. Also das ist jetzt in Ordn[über der Zeile] ung. Auch Trudel hat ihr Einverständnis zugesagt, aber noch nicht sichtbar. Die beiden Schreiben, die mir Herr Gunzert aufsetzte, waren voll wirksam. Ich hoffe ja nun, daß weiter keine Bedenken sein werden. — Morgen vormittag will Frau Buttmi mir helfen, das Zimmer auszumessen, damit ich weiß, was darin Platz hat. Und vorher hoffe ich Herrn Rensch auf seinem Büro zu treffen, denn da wird doch auch ein Schriftstück nötig sein. — Anschließend dann der Spediteur! So hoffe ich, soll alles nach der Ordnung vor sich gehen.
Eine private Freude hatte ich, wenn ich den Kindern unbeobachtet begegnete, daß sie mich sehr freundlich und vertraulich grüßten. Was mögen sie von der ganzen Sache denken!
Ich möchte gern, daß diese Zeilen Dich bei der Rückkehr am 5. begrüßen, da sie doch nicht
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| einmal am 1. bei Dir sein konnten. Aber es geht wohl damit, wie umgekehrt, wir brauchen nicht die äußeren Zeichen für das, was unzerstörbar im Herzen lebt. Bleibe gesund, soweit man bei so ständiger Arbeit ohne Ruhepause gesund sein kann! Und fühle in stiller Gewißheit die lebenweckende Kraft deines Seins und Wirkens.
In steter Liebe grüßt Dich mit innigen Wünschen für Dein Wohl
Deine
Käthe.