Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. Januar 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7.I.1955.
Mein geliebter Freund!
Mit vielem Dank erhielt ich heut die Geldsendung aus Alpirsbach, ganz besonders erfreut durch die lieben Worte auf dem Abschnitt. Aber was war mit Deinem Magen? Hat das Hessische Mittel geholfen? Bei mir hatten die Ereignisse eine Weile den Appetit vertrieben, aber ¼ l Fläschchen eines ganz feinen Bordeaux (Chateau Lamothe), das mir Hannelore verehrt hatte: hin und wieder ein Schnapsgläschen, half mir darüber hinweg. Man sagt mir, ich sähe wieder viel wohler aus. Und warm ist es meist in meinem Zimmer, denn ich verstehe mich mit dem Öfchen gut. Aber die angeblichen Anthrazit-Eier sind schlechter als früher. Sie sind hauptsächlich aus Bindemittel und brennen sehr schnell fort.
Daß ich neulich die Wände des zukünftigen
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| Zimmers ausgemessen habe, um das Stellen der Möbel zu planen, schrieb ich wohl schon. Außerdem bin ich noch immer dabei, die Briefschulden endlich zu erledigen. Der Kopf ist immer gleich so ermüdet!
Heut kam ein kurzes Schreiben von Hermann, der mir seine Hülfe anbietet, für 3 Tage, entweder im Laufe des Januar, oder zum Umzug selbst: 29. 30. 31. – – Ich glaube, vorher ists besser? Vor allem weiß ich nicht, wie das mit den Reisetagen ist, da kommt doch eigentlich nur 1 Tag hier heraus. Immerhin ist es gut gemeint. Zunächst will ich aber mal anfragen, wie es mit dem, was ich nicht mitnehme, zu halten sein wird. Das muß er nun endgültig bestimmen.
Bei Rösel Hecht war ich, leider ohne sie zu treffen, nur mit der Tochter hatte ich eine Unterhaltung, die aus England mit sehr pessimistischen Urteilen
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| über die Menschen im Allgemeinen zurückkam. Auch in Kirchheim traf ich meine gute Frau Steidel nicht an; aber auch die Tochter, mit der ich ein recht herzliches Verhältnis habe. Sie war auch recht unzufrieden mit der Welt, es wäre niemand in ihrem Umkreis, der ihr näher stände. Ihre beste Freundin hat geheiratet und nun gehen ihre Interessen auseinander. Ich glaube, es fehlt der entsprechende Partner für sie. Denn an Gelegenheit wird es in ihrer Lebenslage nicht fehlen.
Bei Buttmis sind ihre Schwester und Schwager jetzt aus der Ostzone eingetroffen. Hoffentlich finden sie bald ein Unterkommen, gemeinsam mit der geschiedenen Tochter und deren beiden Kindern. Denn es ist natürlich recht eng und unruhig. Bei Vater Buttmi haben Deine "Gedanken", die ich ihr zum Geburtstag schenkte, ganz besonders gezündet.
Heut hatte ich eine sehr lebhafte Mittagsruhe. Im
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| Zimmer neben der Küche wurde eine Wand durchgeschlagen. Sie lassen offenbar Leitungen für Wasser etc. legen, denn anscheinend behalten W. das Zimmer von mir selbst. Vielleicht war das so die Absicht von dem Wutanfall.
Möge nun alles bei mir ohne Zwischenfall gehen. Soeben ist ein Angestellter der Firma Fels da gewesen, der den Inhalt des Zimmers ansah, und mir einen Voranschlag für Kisten etc. machen wird. Am Tage vor dem Transport kommt ein Packer. – Er war höflich und hatte was Gebildetes, was Vertrauen erweckte. Was an Packmaterial nicht benötigt wird, geht ohne Kosten zurück. – –
Du wirst wohl noch öfters solche Berichte über den Fortschritt des Unternehmens bekommen, aber dies ist nichts Aufregendes mehr. — Ich hoffe, daß Du ohne Erkältung nach Tübingen zurückgekommen bist und daß Du in der Arbeit maßhalten kannst. – Grüße Susanne und Ida, und sage ihnen, ich lebe aus der guten Futterkiste. – Und außerdem <li. Rand> lebe ich vom steten Deingedenken, das mein Herz erfüllt.
<Kopf>
Nochmals viel gute Wünsche und innigen Dank.
Deine
Käthe.