Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. Januar 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 12.I.1955.
Mein geliebter Freund
Wenigstens einige Zeilen möchte ich heute noch schreiben, denn wer weiß, was mir morgen wieder dazwischen kommt. Heute habe ich nun das Angebot vom Speditör Fritz Fels bekommen und das will ich morgen mit der geschäftstüchtigen Frau Heinrich besprechen. Vormittags ist Frau Dörsam zum Aufräumen des Zimmers da. – Und gestern kam endlich Hedwig M., die Einzige, die bisher wirksam geholfen hat. D. h. außer Herrn Gunzert (früher Geheimer Ministerialrat?) Wir haben also die Möbel ausgemessen und in dem Plan des Zimmers verteilt. Es sieht Vertrauen erweckend aus.
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| Inzwischen war aber noch eine kleine Barometerschwankung, denn die Schwester in dem kleinen [über der Zeile] Altenheim: Leopoldstr. 48.I. (sprich Anlage!) erklärte, als ich kam, um die Wände zu messen: daß sie das Zimmer bis zum 1.II. nicht zur Verfügung stellen könne. Aber Herr Rensch hat, als ich seine Sprechstunde zwischen 8 u. 9 am Mittwoch aufsuchte, mir versichert, ich könne bestimmt pünktlich einziehen. Es soll aber doch wirklich immer wieder ein kleiner Schreckschuß kommen! –  – Eigentlich aber wendet sich alles Drohende immer wieder zum Guten. So in Ziegelhausen, als die Waschfrau nicht im völlig verschlossenen Hause zu finden war, konnte mir die nette Frau Moser, die ja längere Zeit bei mir den Monatsdienst machte, die Besorgung übernehmen und ich kann also erwarten, daß die Wäsche wieder bei H. Mathy abgeliefert wird.
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Heut hatten wir abscheulichen Schneeschlamm, und da denke ich mit Sorge an Dich, da Du ja bergauf u. ab zu gehen genötigt bist. Ich kann mich ja gefahrlos in der Ebene halten. Rutschen kann man da freilich auch!
Da denke ich gleich auch an all die Unfälle von denen Du mir berichtet hast. Wie arg ist das bei Zollinger! Und daß Litt wieder eine Gipsbandage bekommt! Es hieß doch zuerst, es müsse genagelt werden. Ist das nicht geschehen? Welche Geduldsprobe!
Wie steht es denn mit Deinem Magen? Vielleicht ist er etwas nervös? Willst Du nicht auch mal den guten Rotwein in homöopathischen Portionen versuchen? Ich hatte absolut keinen Appetit, und da half er großartig.
In meinem Kopf geht natürlich das Denken an die Vorbereitung beständig planend hin und her. Ich bin ganz gerührt, bis in welche Einzelheiten
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| hinein Du daran teilnimmst. Ob es praktisch ist, zu Rodrian zu gehen, weiß ich nicht. Ich muß doch anwesend sein, wenn der Packer kommt, und wenn eingeladen wird. Da wird man die Zeit nicht so genau vorher angeben. Und hier im Haus ist niemand, der die Tür aufmachen würde!! Es wird sich schon im geeigneten Moment richtig entwickeln!
Dagegen leuchtet mir das Angebot von Hermann im Laufe des Januars oder 29. 30. 31.I. zur Hilfe herzukommen, nicht ein. Immer über Sonntag 3 Tage, d. h. doch eigentlich nur 1 u. 2/2 –, denn da rechnen doch die Reisetage mit. —
Doch genug von dem Kram! Wie freue ich mich darauf, wenn diese Prozedur endlich vorüber ist! In diesem Vorgefühl sei innig gegrüßt und grüße Susanne und Ida von mir. Nur im Gedenken an Dich ist mir ja dies alles wichtig und erträglich.
Immer
Deine Käthe.