Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19./20. Januar 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19.I.55.
Mein geliebter Freund!
Heute also habe ich mit Herrn R. die Eingabe im Fürsorgeamt gemacht, mit einem großen Dokument voll Fragen und ich will sehen, ob es genehmigt wird. – Trotz der besten Absichten bin ich aber garnicht tüchtig mit den sonstigen Vorarbeiten. Außer dem Plan für die Möblierung des Zimmers will nichts so recht gedeihen, trotz all Deiner eingehenden Ratschläge. Am nächsten Mittwoch will Hedw. M. nochmals kommen und am 1.II. will sie auch kommen, denn es muß doch jemand im Heim sein, wenn die Möbel kommen, der genau Bescheid weiß, und hier jemand, d. h. ich, wenn aufgeladen wird.
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Zu Punkt 1) Deiner Bemerkung möchte ich melden, daß die Schwester bei meinem zweiten Besuch sehr freundlich war. Jetzt werde ich nun noch einmal die Zeit meines Kommens für den 1. definitiv melden. Vom Zimmer ist mir versichert, daß es bezugsbereit sein wird. Betreten läßt sie es mich nicht, es sei noch "belegt", offenbar unter der Hand!
2). Das mit den Cigaretten leuchtet mir sehr ein. Ich habe auch öfters welche für den Briefträger oder so. Vielleicht braucht der Packer auch zwischendurch mal Brot u. Bier!
3.) Mit dem Sopha hat die Schwester nichts weiter zu tun. Das Ab- u. Aufbauen mache ich selbst, wenn es aus Besuchsgründen erwünscht ist. Meist bleibt das Bett zugedeckt stehen. Ich
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| weiß überhaupt nicht, in wieweit eine gewisse Bedienung in Frage kommt. Es ist da ein weibl. Wesen, das nach östl. Flüchtling aussieht. Jedenfalls aber wird für den Ofen gesorgt. – Wo sollte ich denn außer dem Sopha noch ein Bett stellen?
5.) Was mir beim Einpacken eine fremde Studentin nützen sollte, das leuchtet mir aber nicht ein. Dazu kommt doch der Fachmann. Und im übrigen werde ich so gut ichs verstehe "großzügig" sein. Was ich viel mehr fürchte, als irgend welche Versehen andrer, ist mein eigner Mangel an Geistesgegenwart und eine Art Benommenheit. Es hängt wohl mit den mancherlei Nervenchocs zusammen, die ich in letzter Zeit hatte. –
Und daß der Umzug "eine Kleinigkeit" ist, verstehe ich gut, aber für meine Fähigkeit ist es viel. Welch Unterschied aber zu den Katastrophen
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| in der ganzen Welt.
Heut dagegen ist ein stilles Wetter, klarer Sternenhimmel und Frost. Den mächtigen Neckar habe ich nicht gesehen! Ich habe keinen Sinn für Sehenswürdigkeiten eben!!
Mit der Schwester hoffe ich in ein gutes Einvernehmen zu kommen. Ich habe doch mit allerlei Menschen schon gute Beziehung angeknüpft.
Über die Geldfrage bin ich aber nicht völlig im Klaren. Herr R. hat mir vorgerechnet, was ich an Rente und Ausgleichamt oder Unterhaltshilfe habe, das wurde aber [über der Zeile] demnächst erhöht. Und da blieben 20 M für mich zu zahlen. "Die übernehmen wir" setzte er dann hinzu und ich hätte dann noch 10 M Taschengeld.?? Ich möchte ihn so gern nochmal genau darüber sprechen, ich kann mit so unbestimmten Zahlen nicht zur Klarheit kommen. Anscheinend soll das Zimmer 4,50 M kosten.

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Fortsetzung. 20.I. Mein einziger Freund, verzeih dieses konfuse Geschmier! Du wirst Dir denken, daß meine Gedanken doch beständig um das bevorstehende Ereignis kreisen, und daß ich möglichst vernünftig meine Zeit für die Vorbereitung einteilen will. Die Besprechungen mit Herrn R. kosten immer lange, weil er sehr beschäftigt ist und ich lange warten muß. Und dann ist er, wie alle Welt, in Eile und ich komme nicht dazu, meine Fragen anzubringen. Hoffentlich versäume ich nichts Wesentliches und mache keine Fehler. Ich bin immer in Sorge und es denkt sich niemand so in meine Lage wie Hedwig M. und noch mehr Du! Aber ich habe den besten Willen und hoffe, daß ich die richtige Wahl getroffen habe. Es ist wohl ein Unterkommen, wie es meinen Verhältnissen entspricht.
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| Das Landfriedstift ist vornehmer, aber ich lebe doch in der inneren Welt und wer mit mir umgeht, legt darauf keinen Wert.
Sei innig gegrüßt und habe noch ein wenig Geduld, es wird schon alles in Ordnung kommen. – Für das Daumendrücken danke ich sehr! Es hilft gewiß. Also grüße vielmals, und bleibe Du möglichst von Unruhe und unerwünschter Arbeit verschont.
Der Gedanke an Dich hilft mir täglich..
Deine
Käthe.