Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. Januar 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg, 25.I.55.
künftig: Leopoldstr. 48
Mein geliebter Freund!
Habe Dank für Dein liebes Schreiben, in dem mich natürlich die Aussicht auf Dein Kommen am meisten erfreut hat. Ich habe hin und her überlegt, was wohl der günstigste Termin wäre, bin aber zu dem Resultat gekommen, daß ich es lieber Dir überlassen will, ihn zu bestimmen. Am meisten wünsche ich natürlich – je eher – je lieber! Aber ich fürchte, daß es dabei noch nicht so recht geordnet bei mir sein wird. Aber das kann ja auch in 8 Tagen noch der Fall sein, was Vorhänge etc. anbetrifft. Also richte Du es ein, wie es Dir am bequemsten ist. Ich freue mich unendlich darauf.
Es handelt sich nicht ums Ausschlafen. Aber es wird im Zimmer so manches mangelhaft sein. Ich habe gestern zum erstenmal etwas genauer den Raum gesehen, und finde den ersten Eindruck des miserablen Fußbodens bestätigt. Aber da muß ja abzuhelfen sein. – Im übrigen ist alles in
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| guter Ordnung. Ich habe einen Besuch von der Fürsorgerin im Außendienst Rohrbach, Frl. Müßig, gehabt, und war im Anschluß daran nochmals bei Herrn Rensch, der mich an Frl. Petzold wießs, weil es sich um die Überweisung der Rente handelt. Eine definitive Bestätigung der Kostenhöhe habe ich noch nicht, aber sie sei 99 Prozent gesichert.
Inzwischen bin ich hier nach Möglichkeit für die Vorbereitung tätig. 2 Nachmittage hat [über der Zeile] ist mir die gute Frau Petri zur Hülfe gekommen, und heut Hedwig Mathy, aber vorläufig sehe ich noch kein Ende, denn es quillt immer noch aus allen Kasten und Schränken. Ein Glück, daß ich auf dem Speicher noch Sachen stehen lassen kann. Da werde ich noch Manches austauschen und weggeben können.
Verzeih, bitte, dies Geschmier. Ich bin sehr müde und es ist schon spät. Aber ich möchte doch noch Nachricht geben, die morgen um 2 mit der Post weggeht. (14 Uhr!)
Vor allem: schicke kein Geld. Ich habe mehr als ich brauche, und das beunruhigt mich. Ich habe ja zu
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| dem, was ich in Reserve hatte, noch von der Städt. Sparkasse geholt, was für die Angaben, die ich bei der pekuniären Lage machen mußte, notwendig war. Das kann ich Dir ja mündlich besser sagen, wie sich das ergab. Schwer nehmen tue ich nichts, aber manchmal geht mir die Sache etwas über den Kopf, und mir wird ganz schwindlig. Da ist es eine Wohltat, wenn mal jemand da ist, der mithilft, wie Frau Petri und Hedwig. Die Dörrbrot ist so dörr im Kopf, die hat nicht mehr Intelligenz als ich.
Für alle teilnehmenden Grüße sage herzlichen Dank und Grüße von mir, und sei selbst in inniger Liebe bedankt für all die eingehenden Ratschläge. Deine Hülfe steht mir unsichtbar beständig zur Seite.
Deine
Käthe.