Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. Februar 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg, 12.II.55.
Mein geliebter Freund!
Hier kommen einige Probefedern, denn der Laden, wo ich sie immer holte, hat Firma "Soennecken" nicht mehr, sondern Bause", es seien aber die gleichen, oder sogar die eigentlich berechtigten, diesen Namen "Bremer Börsenfeder" zu führenden. Wenn Du zufrieden damit bist, folgt ein Kästchen, eventuell wird bei Soennecken eins bestellt: da wäre "öfter Gelegenheit."
Soeben sitze ich an der hell beleuchteten Schreibtischplatte, in Erwartung von Frl. Reinhard, die zum Kaffee kommen wollte, aber nicht pünktlich ist. — Ich guck eigentlich immer noch die Straße entlang, hinter Dir her, als Du abreistest, und male mir aus, wann Du wiederkommen wirst. – Sehr fleißig mit ordnen bin ich noch nicht, denn die Tage des ersten Auspackens waren doch zwangsläufig etwas zu anstrengend und ich mußte mit Aspirin und Ruhe aushelfen.
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| Die täglichen Gewohnheiten spielen sich ein, und ich gewöhne mich an die Hausordnung, nach der man seine jeweiligen Pläne richten muß.
Herr Rensch (mit oder ohne t) war nach Deinem Besuch auch mal hier und ich habe nun also von ihm erfahren, daß das Zimmer hier 5,50 M kostet, und daß ich davon täglich 1 M Pension an die Schwester monatlich zu bezahlen habe. Auf dem Wohlfahrtsamt hatte ich nämlich auf Anfrage auf die 10 M Taschengeld verzichtete, was Herrn R. nicht recht war, aber mir doch richtig schien, da ich doch durch Deine Hülfe in der Lage bin.
Bald war draußen ein heftiges Schneetreiben aber es blieb nichts liegen, heut trieben nur einzelne Federchen von Frau Holles Bett herum, aber jetzt scheint die Sonne mir aufs Papier und auf die Wand der Aurora!
Und jetzt muß ich meinen Kaffee allein trinken, denn Frl. R. hat offenbar die Verabredung vergessen. Sonst bin ich immer die Vergeßliche! Möge ich mich dauernd bessern! Hoffentlich bist Du gut heimgekommen und die Federn nutzen Dir, bis ich auf Deine Antwort hin, neue Beschaffe.
<li. Rand S. 2> Spät ist Frl. R. noch gekommen und will diesen Brief mitnehmen, darum <li. Rand S. 1> nur noch viel herzliche Grüße an alle und einen noch besonders an Dich! D. Käthe.