Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. April 1955 (Heidelberg)


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Sonntag. 17.IV.55.
abends.
Mein geliebter Freund!
Ich meine, es wäre noch nie vorgekommen, daß ich auf Tage hinaus nicht weiß, wohin ich einen Gruß für Dich schicken kann?! Meine Frage nach der Zeit Eurer Rückreise (ob und wann hier vorbei) wurde leider sehr unbestimmt beantwortet, also kann ich nur hoffen, daß Ihr morgen wieder irgend wann in Tübingen sein werdet und ich kann unvermutet dabei auftauchen, wie am Donnerstag auf dem Bahnsteig!! Wer hat Euch denn vorher noch beim Einsteigen dort attackiert? Ich ver
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|mute, der nach Mannheim Berufene, der Wohnung sucht.
Für mich ging der Tag auch noch lebhaft weiter. Nachdem ich tüchtig geschlafen hatte bis nach 4 Uhr, wurde mir Besuch gemeldet: Herr Häbler. Im Hause bei Rösel Hecht hatte er meinen Aufenthalt hier erfahren und fand in Begleitung einer jungen Helferin aus Tüllingen richtig her. Irgend eine Tagung hatte ihn nach Heidelberg geführt und ich freute mich sehr, ihn zu sehn. Als er in seiner lebhaften Art von Dir sprach und hörte, Du seiest dagewesen, bedauerte er sehr, daß er Dir nicht wenigstens noch auf der Treppe "hätte die Hand drücken können" – Leider kam noch ehe er fortging Gisela Gaßner, was recht überflüssig war, da es ja eine etwas schwierige Situation mit dem blinden Mann ergab. Aber er fand sich besser damit ab,
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| als ich. Gisela blieb dann noch bis 19¾, weil sie auf ihren Mann wartete, der sie mit dem neu erworbenen Auto abholen sollte. Schließlich ging sie ohne ihn, und ich war rechtschaffen müde, denn solche Komplikationen regen mich mehr auf, als irgendwelche Anstrengung.
– Die beiden folgenden Tage waren dann recht trübe und meine Gedanken hätten doch gern für Kronberg gutes Wetter beschafft. Wie seid Ihr gereist, und wie habt Ihr die Situation dort gefunden? Heut hat sich hier die Sonne durchgekämpft und ich habe mich auf meinen grünen Lehnstuhl von ihrer Wärme förmlich durchglühen lassen. Wie dankbar denke ich dabei immer Deiner, dem ich dies behagliche Zimmer verdanke!
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Bei den abscheulichen kalten Regengüssen an den Tagen vorher, habe ich mit gewisser Sorge an Dich gedacht, denn auf Reisen und mit Hotelaufenthalt ist man doch nicht so gesichert vor Kälte und Nässe wie zuhaus. Ich hoffe sehr, bald eine Karte zu bekommen, die mich beruhigt.
Heut aber will ich diesen Gruß noch auf die Post bringen und nur alles Gute wünschen und ein rasches Übersiedeln nach Wolfach. Brief folgt!
Deine
Käthe.