Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. Juni 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 5. Juni 55
Mein geliebter Freund!
Nur noch wenige Tage, dann darf ich Dich mal wieder hier erwarten, wie mir Dein lieber Brief vom Pfingstsonntag bestätigt! Wegen der Abholung an der Bahn mache Dir aber ja keine weitere Überlegung, sondern schreibe mir nur einfach die genaue Zeit! Du wirst trotzdem den Kaffeetisch gerichtet finden und überhaupt alles festlich bereit. Nur zum Kochen des Kaffee's muß ich mal aufstehen und dann ist Frieden und Ruhe.
Waren bei Euch auch wieder Regentage? Es will durchaus nicht besser werden. Gestern kam ich auf dem Rückweg von Frl. Ingold auf dem Bismarckplatz in einen abscheulichen Guß, und die Elektrische für die Hauptstraße schien überhaupt auszusetzen. – Briefe habe ich außer von Dir
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| überhaupt nicht bekommen, auch nicht von Berlin. Aber der zweite Pfingsttag war herrlich auf meinem Balkon. Ich könnte mir das Ausgehen völlig abgewöhnen.
Veranlaßt durch Frl. Reinhard, die sehr eifrig dafür ist, habe ich mich mit Storm beschäftigt, aber nun habe ich mal wieder genug. Er ist mir zu weich. – Aber wenn Du hier bist, werde ich Dir mal die Broschüre zeigen, die Hedwig M. mir gab mit dem Vortrag von Prof. Rohrbach, Mainz über die Versöhnung von Theologie und Naturwissenschaft. Ich meine die Trennung hatten überwiegend die Theologen vollzogen. Aber – alles Weitere mündlich! Ich wünsche Dir nur angenehme Unterbrechungen Deiner Arbeit und hie und da ein wenig Sonne im Freien. Grüße Susanne, an die ich immer denke, wenn ich jetzt den dicht belaubten Ahornbaum über dem Balkon sehe, und Ida. Alle guten und lieben Wünsche von
Deiner
Käthe.