Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. August 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14.VIII.55.
Mein geliebter Freund!
Als Du den lieben Brief an mich schriebst, war der Möbelbesuch noch nicht vorbei, denn Hermann blieb bis gestern 13.46, weil eine geplante Unterbrechung in Stuttgart fortfiel. In der Peterstraße war die Begrüßung bei Wüsts unbefangen freundlich, aber von uns recht sachlich, nur mit den Kindern herzlich. Auf dem Speicher war zum Glück keine Sonne auf dem Dach, und an dem kühlen Tage die Temperatur angenehm "leicht geheizt". Das wird uns aber zuhaus hier noch nicht zuteil. Erreicht habe ich für mich den Stoff für die Dekoration hinter dem Sopha, und überhaupt eine Erinnerung an das Vorhandene. Eine Entscheidung für den Transport habe ich noch nicht bekommen, denn die Wohnung in Tutzing wird erst Ende November beziehbar. Es scheint mir aber, als ob dem Stehenbleiben der Sachen bis dahin kein Hindernis im Wege steht.
Der Aufenthalt von Hermann hatte zunächst allerlei technische Schwierigkeiten, weil die Vermieterin unten im Haus versagte, aber er nahm die Sache recht kaltblütig auf und war mit dem Ersatz so zufrieden, daß er im gegebenen Fall dort wieder bestellen will.
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| Das Zusammensein war manchmal ein wenig gewitterig, aber ich bezähmte meine Ungeduld nach Möglichkeit und er lenkte liebenswürdig ein. Weißt Du, wenn mir seine Art zuweilen nicht zusagt, dann denke ich immer wenn er es nicht vermittelt hätte, würde ich Dich ja nie kennen gelernt haben. Wir sprachen auch mal davon, wie er mich s. Z. als ich ihn zu Pfingsten in der Klopstockstr. besuchte und ihn auf Verabredung im Kastanienwäldchen recht lange erwarten mußte und er mir dann sagte, daß er einen Mitschüler aus der Quinta getroffen habe. Und er erinnerte sich, wie er Dich zu dem ersten Besuch bei mir ermuntert hatte!! Ein problematisches Unternehmen. – ? –  –  –
Heute nun sitze ich still – trotz des üblichen Straßenlärms – auf dem Balkon und bin froh, daß niemand kommt. Die krakeliche Schrift mußt Du, bitte, wegen der unbequemen Haltung der Mappe entschuldigen.
Auch wir hatten mehrfach Gewitter und sehr heftige Regengüsse, aber keine Überschwemmung, nur einmal einen ganz nahen Einschlag auf dem Gaisberg neben uns.
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Nun aber vor allem erst mal vielen Dank für den eingeschriebenen Brief mit gedrucktem und geschriebenem lieben Inhalt. Daß Ihr vorläufig noch kein gesichertes Unterkommen für einige Tage zum Ausweichen der vielen Besucher gefunden habt, tut mir ungemein leid, auch für Susanne, weil die Hülfe von Ida fehlt. – Was Du über Dein Auge schreibst wird zum Teil wohl von dem Mangel an erholsamen Ferientagen kommen, denn ich weiß aus Erfahrung, daß der Zustand der Augen recht fühlbar mit dem Allgemeinbefinden wechselt. – Ob das "Sigmaringen" sich auf ein Hotel in Friedenweiler bezieht oder auf den Ort wo wir mit Kühne zusammentrafen, kann ich nicht aus Deinen Zeilen entnehmen. – Wart Ihr auf der Weitenburg sonst nicht mal mit Einem, der ein Auto hat? Den Plan mit den südlichen Seen finde ich sehr schön. Aber sind die nicht überwiegend italienisch? – Du mußt aber nicht meinen, daß ich mich gleich verlassen fühle, wenn ich mal allein bin. Es traf sich nur neulich, daß der Besuch, um dessentwillen ich einen andern abgesagt hatte, ausblieb. So war ich durch eigne Schuld allein, denn wenn ich auch
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| nicht durch Überfülle leide, wie Du, bin ich doch mit Bewußtsein dankbar für den Kreis lieber Menschen, die so getreu zu mir kommen. – Die Anreicherung von der Du so lustig schreibst, ist mir ebenso überraschend wie Dir. Ich muß mich bei den Einzelnen immer erst genau besinnen, woher sie mir kommen. Ich habe sie nicht gesucht, aber ich versuche eine Beziehung zu gewinnen; denn im Grunde habe ich es doch immer als einen Vorzug empfunden, daß ich immer einen Umgang nach eigner Wahl hatte.
Am 12. abends hatte ich Frl. Lotte Reinhard bestellt, weil ich glaubte, daß Hermann schon fort sein würde, nun wurde daraus ein recht gemütlicher Abend auf dem Schloß. Abendessen rechts oben vor dem Eingang in den Park, (Burgfreiheit, angenehmes Lokal) dann im Dunkel zwischen den schönen Bäumen bis zur Terrasse mit dem Blick über den Neckar und die Stadt mit vielen Lichtern. Dazu leise Klänge vom Mozart-Konzert im Schloßhof. – Jetzt wird es aber auch hier dunkel und ich möchte den Brief noch in den Kasten stecken. Auf eine neue Anschrift hoffe ich bald, denn ich hätte noch manches zu schreiben. – Einstweilen also <li. Rand> nur noch sehr viele Grüße, diesmal ohne Ida, der ich eine hübsche Karte schicken will. <Kopf> Laßt es Euch möglichst gut gehen, wo auch immer.
<Kopf S. 3>
In stetem Gedenken Deine Käthe.