Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. September 1955 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 14. Sept. 1955.
Mein geliebter Freund!
Vielen herzlichen Dank für lieben Brief und Karte aus Lenzkirch (9. u. 13.9.) und besonders noch für das famose Bild mit der wichtigen Handlung des Cigarreanzündens. Natürlich wünsche ich Dir möglichst viel solcher erfreulichen Momente! – Die Karte kam zugleich mit der freundlichen Anmeldung von Frau Biermann für den 26.9 um 10.33 bis zum Nachmittag. – Und heut vormittag, denke Dir, kam "die Wahrsagersche" ganz unerwartet in voller Größe zur Tür herein! Sie war überraschend herzlich und blieb, bis meine Suppe gebracht wurde. Sie ist jetzt auch im Alter der Erinnerungen. –  –
Daß es Euch im Hotel Vogt so behaglich war, ist doppelt erfreulich, da das Wetter dem Aufenthalt nicht gerade günstig war. Leider habe ich keine Karte der Lenzkircher Gegend, sodaß
[2]
| ich die Wege nicht auf dem Papier verfolgen kann und auf ungefähre Erinnerungen angewiesen bin. –  – Desto eindringlicher war mir als anläßlich des Flaggens meine Gedanken von der Moskaureise auf den 12. September 1951 zurückgingen und ich Deinen damaligen Vortrag in Bonn wieder vorholte. Er hat mich wieder tief ergriffen und ich las ihn gleich mit Hedwig Mathy nochmals und wollte ich könnte diese mahnende Stimme überall verbreiten. Es herrscht noch immer eine unverständliche Gleichgültigkeit, nicht nur hier im Haus!! Mit Herzklopfen habe ich die Zeitungsberichte verfolgt und fühle jetzt die steigende Opposition der "Masse" gegen die Würde, mit der Adenauer uns vertreten hat. Interessant war mir nur ein Abschnitt aus einer Rede vom Historiker Hermann Heimpel, (Göttingen): "Nicht mehr viel Zeit." – Aber wenn der Brief heut noch fort soll, muß ich nur noch sehr herzliche Grüße für die "beiden Reisenden" anfügen, und bitten, auch meine Grüße den Alpirsbacher Verwandten auszurichten. Ich muß jetzt der üblichen Andacht <li. Rand> beiwohnen. – "Den Engel" bitte zurück! Immer in treuen Gedenken
Deine Käthe.