Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22./23. September 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22.9.55.
Mein geliebter Freund!
Am 20.9. früh kam der eingeschriebene Brief und heute die liebe Karte. Für beides bin ich Dir sehr, sehr dankbar. Ganz besonders dafür, daß Du mir über die sofort angefangene Augenbehandlung gleich berichtet hast. Ein sachliches Urteil habe ich natürlich nicht, denn du weißt ja, daß ich immer nur mit der optischen Erscheinung der "Fälle" zu tun hatte. Aber da Du trotz der unangenehmen Druck- und Licht-Untersuchungen so schön und gerade schreiben konntest, nehme ich gern als ein gutes Zeichen. Und vor allem glaube ich, daß die so ausdrücklich gelobte Erholung in Lenzkirch eine günstige Bedingung
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| ausmacht. So kommst Du nicht unmittelbar aus dem Hochbetrieb in das Krankenzimmer. –
Gleichzeitig mit Deiner lieben Karte kam eine von der Buchhandlung, die das Eintreffen der Hausmusik meldete.
Ob Frau Biermann hier am Montag d. 26. durchfahren wird, mit Aufenthalt von 10.33 bis zum Nachmittag bei mir, war ausgemacht. Ich habe aber nochmals angefragt, da Du mich nach ihr fragst.
Und was die Frage eines Heizöfchens betrifft, hatte ich schon ehe Dein fürsorglicher Vorschlag kam, Erkundigungen eingezogen, aber noch keinen festen Entschluß. Möge es damit gehen, wie mit der Lampe an der Decke! Héraucourts schaffen auch eines an und sind schon in Unterhandlung. Ebenso Frau Buttmi, die heute zum Kaffee bei mir war, sehr gemütlich. Da kann ich mir ein Urteil von ihren Erfahrungen bilden.

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23. September 55.
Gestern abend war es zu spät den Brief noch in den Kasten zu bringen, so geht er doch nicht früher fort, als wenn er jetzt gleich ins Postamt kommt. Darum will ich eilen und ihn hinbringen.
Mit den innigsten Wünschen denke ich Deiner beständig; ich meine, Du mußt es fühlen. Ich kann ja leider nicht auch kommen, wie Du zu mir in die Klinik, aber ich bin dankbar, daß ich mir doch die Lage Deiner augenblicklichen Behausung vorstellen kann. Und ich weiß, daß Du auch diese harte Prüfung zum lebendigen Gewinn gestalten wirst.
Immer
Deine
Käthe.