Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 2./3. Oktober 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 2. Okt. 55.
Mein geliebter Freund!
Welch liebe Überraschung war mir Dein lieber inhaltreicher Brief, der mich so unmittelbar an Deinem gegenwärtigen Erleben teilnehmen läßt. Wie dankbar bin ich für die Wahrheit, die aus Deinen Zeilen spricht. So ertrage ich es doch leichter, daß ich nicht mehr wie früher zu Dir kommen darf, wenn Du krank warst. Aber es bleibt meinen Vermutungen immer noch Spielraum genug, um sehr bedrückten Herzens zu sein.
Im Augenblick sind da auch noch recht unnötige Komplikationen: der selber erkrankte Chef und der höchst unnötige Schnupfen! Hoffentlich behindert er Deinen Schlaf nicht? – Daß er Dir ins Kranken
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|haus zugetragen ist, ist höchst überflüssig. Aber es ist wenigstens kein Typhus, wie es meine Schwester erlebte. –  – Was meinst Du aber mit der "eigentlichen Sache"? Da ist meinen Vermutungen kein Ziel gesetzt. – Inzwischen wird ja die gründliche Inspektion Deiner ganzen sichtbaren Person hoffentlich beendet und Du hast erfahren, wie man dem Übel beikommen will. Daß man Dir erlaubt hat, gestern mit dem Rektor zu der Versammlung nach Stuttgart zu fahren, ist doch wohl ein Zeichen, daß keine ungute Wirkung davon zu befürchten ist.

3. Okt. Gestern war ich nicht mehr zum Schreiben gekommen, meine Absichten werden auch oft durch unerwartete Besuche verhindert.
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| Da war die Schwalbesche Enkelin wieder mal gekommen und den Tag vorher die längst erwartete Bertha von Anrooy, jeder an sich nett, aber hinderlich!
Ich möchte noch viel auf Dein Schreiben antworten, aber heut ist auch der Nachmittag besetzt durch Hedwig Mathy, die mir bei einer Näherei helfen will. Darum will ich nur lieber diesen Zettel voranschicken, damit Du siehst, daß ich fortwährend an Dich denke. An Mädi mußte ich auch in den letzten Tagen ausführlich schreiben. Sie hatte allerlei ernste Fragen, für die sie bei mir Teilnahme suchte.
Also, "einstweilen" diesen innigen Gruß mit vielen guten Wünschen, daß Du weiter die Kraft behältst, auch diese Zeit zum Segen zu gestalten.
Deine
Käthe.
[Fuß] Grüße auch in der Rümelinstraße!