Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Dezember 1955 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29.XII.1955.
Mein geliebter Freund!
Es ist wohl noch garnicht dagewesen, daß ich Dir in der Festzeit nicht geschrieben hätte. Aber es war in diesem klösterlichen Hause so unruhig wie nie sonst. Und ich selbst war derart überschüttet mit Briefen, Besuchen und Päckchen, daß ich fast erdrückt von dankbarer Verpflichtung bin. Alle meine guten Vorsätze zu der Betätigung von Liebesbeweisen kommen nur sehr langsam zur Ausführung. Aber trotzdem waren es Tage erfüllt von Freude und Dank. Schade, daß Du nicht auch das so rasch noch erstandene Weihnachtsbäumchen sehen kannst, unter dem ich als Hauptsache Deinen Brief und das inhaltreiche Widmungsbuch für Fechter und
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| das Büchlein von Susanne auswickelte. Ihr hatte ich eigentlich endlich mal wieder schreiben wollen, aber auch das wird noch nicht zur Tat werden, denn es liegen noch unfertige Weihnachtsbriefe vor!! Ihre Grüße "dick unterstrichen" erwidere ich herzlich.
Heute nun möchte ich Euch doch wenigstens herzlichen Dank sagen, Euch wieder zuhaus begrüßen und einen guten Jahresanfang wünschen. Eingehendere Nachricht folgt bald über alle sonstigen Absichten hinweg. Mit Bedauern beobachtete ich das miserable Wetter für die Wolfacher Tage und hoffe nur, daß es ohne Erkältung dabei abging.
Wir werden hier zu Silvester um 4 Uhr eine Andacht mit dem Missionar haben. Aber aufbleiben werde ich nicht, sondern schlafen, soweit es der Straßenradau erlaubt, der schon teilweise begann. Die Rede für Litt konnte ich leider nicht hören! – Aber meine innigen Segenswünsche werden wie immer in Tübingen sein.
Deine
Käthe.