Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. Januar 1956 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

2.I.56.
Meine geliebte Freundin!
Es war besonders schön, daß Du diesmal selbst auf dem neuen Kalender erschienst. Dein Bild wird so auch äußerlich jeden Tag für mich begleiten und segnen.
Das Zusammensein mit den Kronbergern in der Krone von Wolfach war wohltuend und belebend. Christiane ist vielleicht nicht immer liebenswürdig, wie in Briefen; aber sie ist immer ein interessantes Kind. Alle 3 Tage herrschte draußen gewaltiger Sturm. Ich mietete am 29.12. einen kleinen Omnibus. Wir fuhren zum Kaffee nach Oberwolfach, wo ich 1947 2 Nächte in einem Mathematiker-Haus verlebt habe. Wir sind wohl 1912 oder 1913 auf unsrem Gewaltmarsch FreudenstadtKlösterle – Wolfach dort durchgekommen. Auch bei der Jakobskapelle (auf dem Wege nach dem Moosenmättle) waren wir diesmal wieder, wie schon im Frühling 1955.
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Die Rückfahrt am Silvestertag ging unerwartet schnell, da wir in Herrenberg Anschluß hatten und die Aufenthalte in Eutingen und Horb vermeiden konnten.
Hier geht nun der Kampf mit den ca 200 Weihnachts- u. Neujahrspostsachen weiter. Am Samstag erwarten wir Landenbergers aus Eßlingen. Damit bietet sich die Gelegenheit, einmal einen Augenarzt zu sprechen, der nicht nur Diagnosen stellt, sondern auch zu behandeln gewöhnt ist. 10 Tage lang habe ich wieder das Mittel benutzt, das ich in Spritzen 6fach so stark erhalten hatte und eine minimale Besserung bewirkt hatte. Ich habe die eine Tablette am Tage aber fortlassen müssen, da sie das Gehirn zu stark beanspruchte.
Litt war über die Geburtstagsehrungen sehr erfreut. – Die Sitzung in Bonn BIM. ist auf den 3./4 II verlegt. Hoffentlich kann ich sie mitmachen und Dich dann wieder einmal besuchen. Laß es Dir recht gut gehen: vermeide daher Ausgänge bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit. Mit dem März können dann wieder regelmäßige kleine Wege stattfinden. Susanne ist Dir <li. Rand> sehr dankbar für den eben eingetroffenen lieben Brief, und Ida läßt für die Tafel Chokolade auch herzlichst danken. Innigst <re. Rand> Dein Eduard   [] Heute Nachtm. besuchen wir Frau Ida <Kopf> Schmalenberger
[] <re. Rand S. 1> Langer Brief von Lore weckte alte Erinnerungen.
Sus. liest mir vor: Guthmann, Goldene Frucht, das mit Kuno Fischer (Thode, <Kopf S. 1> Neumann u. a.) beginnt. Mache Frl. Dr. Clauß darauf <li. Rand S. 1> aufmerksam