Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Februar 1956 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

10.II.56.
Meine geliebte Freundin!
Heute habe ich von einer termingebundenen Arbeit schon viele Seiten geschrieben. Deshalb kann ich dem dicken Wälzer nur einen kurzen, warmen Gruß mitgeben, Die Wärme wird freilich zur materiellen Heizung Deines Zimmers nichts beitragen. Ich hoffe, daß Du so lange im Bett bleibst, bis es – mit Hilfe des anderen Öfchens – warm genug wird. Sparsamkeit auf diesem Gebiet würde mich besonders kränken.
Es war schön, daß wir ein paar Stunden zusammen sein konnten, und mit der besseren Jahreszeit wird es wohl wieder häufiger dazu kommen. Mein Zug am Sonntag fuhr mit 25 Min. Verspätung ab. Das machte aber nichts aus, weil dadurch der unangenehme Aufenthalt in Stu. abgekürzt wurde.
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| In Tübingen war ich auf die Minute pünktlich. Susanne war aus Alpirsbach schon zurück. Die Zimmer sind wärmer als manchmal bei maßvoller Kälte. Mein Arbeitszimmer ist dem Ostwind am meisten ausgesetzt.
Soeben wurde mitgeteilt, daß Frau Tierok schon morgen nach Hause entlassen wird. Die Sache ist gut verlaufen. Man braucht aber wohl auch Betten für die Wochenendunfälle.
Dienstag war ich wieder in Eßlingen. 2 Stunden Hinweg und ebenso viel Rückweg bei 7,60 Fahrkosten ist nicht wenig. Aber ich werde dort sehr gut beraten, und wenigstens die Entzündung weicht allmählich. Gestern war Seminar, mäßig wie immer. Heute war Dr. Bähr hier. Wir haben beide zu Sonntag eingeladen. Nächste Woche soll es dann ja etwas milder werden. Schütze Dich nur ja vor Erkältungen! Es freut mich, daß die Sonne wieder anfängt, Dich zu besuchen. Viele herzliche Grüße <re. Rand> von uns allen und die besten Wünsche!
Dein Eduard

[li. Rand] Mit Otto Jacobsen hatte ich keine Verbindung mehr, aber mit W. durch Dich einmal ein Gruß.
[Kopf] Rappenterrasse war nicht friedlich! Mitten im Kriege! 1916.