Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. März 1956 (Tübingen)


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Tübingen, den 13. März 56.
Meine geliebte Freundin!
Ich habe Dir für den Hochwasserbrief zu danken – mein Assistent Fetscher hat davon auch erzählt – und für den neuesten, der in seinem 2. Teil die etwas aufregende Neuigkeit enthielt. Vielleicht hast du bei dem zweiten Besuch des – allerdings wohl nicht zuständigen (!) – Herrn noch etwas Näheres erfahren. Unterbringen muß man Dich in jedem Falle. Aber das Zimmer sollte nicht zu klein sein, und jedenfalls ein Einzelzimmer. Daß es dort im Neubau zu teuer wäre, kann
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| nicht zutreffen. Denn was Du brauchst, bekommst Du eben von mir. Aber ein Großbetrieb wird es ja wohl werden.
An dem alten Hause zieht die Bemerkung an, daß es ein großes und sonniges Zimmer sein soll. Nicht erfreulich ist der Blick auf den Hof. Denn wenn man auf eine Straße sehen kann, hat man immer etwas Abwechslung. Das Wichtigste wäre, zu erfahren, ob dieses Haus noch einige Zeit in Betrieb bliebt, bzw. wovon es abhängt, wie lange es beibehalten wird. In dieser Stadtgegend gibt es wohl eher Besuch als draußen auf dem Felde.
Du wirst die Entscheidung wohl nicht bis zu meinem Besuch hinausschieben
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| können. Ich bitte Dich, Dir wegen des Umzugs nicht mehr Sorgen zu machen, als psychisch unvermeidlich ist, wenn man wieder wechseln muß. Das Technische ist schon leicht zu bewältigen, und ich werde auch dafür tun, was ich kann. Diesmal ist das viel leichter als mit dem unübersehbaren Haushalt[über der Zeile] rat in Rohrbach.
In der letzten Woche ist mir schlecht gewesen. Ich führe das hauptsächlich auf das Harmsche Mittel Eupaverin zurück, mit dem ich ein zweites Mal angefangen habe, obwohl es schon beim ersten Mal verdächtig gewirkt hat. Kein Mittel von Landenberger hat nachteilige Wirkungen. Besserung der Augen bewirken sie auch nicht. Aber gerade das Allgemeinbefinden haben sie gut beeinflußt.
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Der Vortrag gestern ist mir sehr schwer geworden. Aber objektiv war er wohl "ausreichend". Die Vorbereitung für den Heidelberger macht noch viel Mühe, und weil er einen Tag nach dem Weingartner zu halten ist, bin ich besorgt wegen des Gelingens. Am 23. (wo ich abends um 20 zu reden habe), wird Dich vielleicht nur Susanne besuchen. Aber das steht alles noch nicht fest.
Morgen kommt Prof. Lieber mit s. Frau. Heute war 2½ Stunden Hans Jürgen Baden bei mir (s. Beckaufsatz) und dann Dr. Bähr. Sonntag Mittag hatten wir Besuch von Frl. Besser und Frau Dr. Mahn. Es ist immer etwas mehr Leben, als ich vertrage.
Der alte Kuno hat wohl Recht gehabt. Aber wenn einer dann mit 80 Jahren ein lebendiges Buch schreibt, ist wohl der lange Schlendrian kompensiert. Er soll ja auch noch etwas über <li. Rand> Troeltsch schreiben wollen. – Mein "Umgang mit Menschen" wird <Kopf> wiederholt. Ich bitte Dich um "Seelenruhe" <re. Rand> und grüße Dich innigst. Susanne, immer erkältet, friert dies Jahr auch.
<li. Rand>
Dein Eduard.