Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. April 1956 (Badenweiler)


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Badenweiler, 13.IV.56.
Meine geliebte Freundin!
Ida war so geschickt, Deinen lieben Brief vom 5. sofort an der Tür nach Bad. umadressieren zu lassen. So erhielt ich ihn als ersten Brief hier überhaupt. Ich befürchte, daß die höchst wechselnden Wetterverhältnisse auch Dir (wie mir hier) zu schaffen gemacht haben werden. Aber wir nähern uns ja einer konsolidierteren Jahreszeit.
Wir haben es hier so gut getroffen, wie es nach Lage der Dinge und nach unsrer Beschaffenheit möglich war. Das Hôtel (Engler) ist angenehm ruhig, maßvoll in den Preisen, das Zimmer etwas zu eng für den Vorfrühling. Wir sehen [über der Zeile] u. a. in den Kurpark, der sehr vielgestaltig ist (z. B. die Ruine mit einschließt.) Natürlich war anfangs noch keine Knospe zu sehen. Manche Cedern sind mitgenommen, alte Araucarien anscheinend erfroren. Es sind schon recht viele Kurgäste da. Mit zunehmender Wärme konnte ich auf den zahllosen Bänken herumsitzen – ohne irgend etwas zu tun.
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Auch bei den Kurkonzerten hätte ich mich früher nicht so lange aufgehalten. Das Befinden im ganzen ist nicht auf der Höhe, die Augen machen besonders viel Plage. Gestern sind wir zum 1. Mal zusammen im Wald gewesen, der ja in den Ort hineinreicht. Alles ganz hübsch, aber kein Freudenstädter Wald und offenbar kein Klima für die Nerven.
Die ganze Herrlichkeit kann nur bis Samstag 21.IV früh reichen. Denn man wird mich zum Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung wählen, und der Akt der Diplomüberreichung ist für 24.IV. früh in Stuttgart angesetzt.
An Bekannten haben wir getroffen Gerhard Heß (aus Heidelberg), jetzt Präsident der DFG, Grafen Dürckheim-Montmartin, eine Zeitlang in Japan, jetzt Zenprediger in Todtnau oder so, den Nervengott (Kretschmer) aus Tübingen. Aber wir sind mit niemandem eigentlich zusammengewesen.
Es fehlt mir, daß ich hier keine Erinnerungen an frühere Wanderungen mit Dir habe. Aber natürlich gedenke ich Deiner stets.
<li. Rand>
Susanne und ich grüßen herzlichst u. wünschen alles Gute! Dein Eduard

[re. Rand] Die erste Postnachsendung brachte 30 Briefe (nur die kleinen Formate werden nachgesandt.) Da ist für schlechtes Wetter genug zu tun. Aber gestern war ein herrlicher sonniger Tag.